Kurz gefasst Signierter Herkunftsnachweis, der dokumentiert, wie eine Datei entstanden und bearbeitet wurde, mit der Einschränkung, dass Metadaten den Weg durchs Internet selten überstehen.
Was Content Credentials bedeuten
Hinter dem Begriff stecken zwei Dinge, die man auseinanderhalten sollte. C2PA (Coalition for Content Provenance and Authenticity) ist das Konsortium, das die technische Spezifikation schreibt; «Content Credentials» ist der Name, unter dem diese Spezifikation beim Endnutzer ankommt, in Form eines Symbols, einer Infoansicht und einer prüfbaren Datei. Die Koalition wurde am 22. Februar 2021 mit Adobe, Arm, BBC, Intel, Microsoft und Truepic angekündigt und arbeitet als Projekt der Joint Development Foundation.
Im Lenkungsausschuss sitzen heute Adobe, Amazon, BBC, Google, Meta, Microsoft, OpenAI, Publicis Groupe, Sony, TikTok und Truepic. Google kam im Februar 2024 dazu, TikTok rückte im Juli 2026 in den Ausschuss auf, die Zusammensetzung bewegt sich also von Jahr zu Jahr.
Die erste Spezifikation erschien im Januar 2022. Gültig ist heute die Fassung 2.4 vom April 2026, die unter anderem eine eigene Assertion zur KI-Offenlegung und die Möglichkeit ergänzt hat, Credentials in HTML-Dokumente und strukturierte Textdateien einzubetten. Das öffentliche Transparenzsymbol, dieses kleine «cr» in der Ecke mancher Bilder, wurde im Oktober 2023 vorgestellt.
Wie das Manifest funktioniert
Jede kompatible Datei trägt einen Manifest-Speicher. Ein Manifest bündelt Assertions, also Aussagen über die Datei: welche Kamera oder welches Programm sie erzeugt hat, welche Bearbeitungsschritte angewendet wurden, ob ein generatives Modell beteiligt war, welches Vorschaubild zum Original gehört. Diese Assertions werden in einem Claim zusammengefasst, und der Claim wird digital signiert. Die Spezifikation beschreibt diese Signatur als die digitale Signatur auf dem Claim, erstellt mit dem privaten Schlüssel des Signierenden.
Die Verbindung zwischen Manifest und den konkreten Pixeln heißt harte Bindung: ein oder mehrere kryptografische Hashes, die die gesamte Datei oder einen Teil davon eindeutig kennzeichnen. Ändert jemand ein Pixel, passt der Hash nicht mehr, und der Validator markiert die Datei als verändert. Daneben gibt es die weiche Bindung, eine nicht eindeutige Kennung wie ein Fingerabdruck oder ein unsichtbares Wasserzeichen, gedacht dafür, die Herkunft wiederzufinden, wenn das Manifest nicht mehr an der Datei klebt.
Bearbeitet man ein Bild, das bereits Credentials hatte, geht die alte Fassung als Ingredient in die neue ein, und so verkettet sich der Bearbeitungsverlauf. Signieren darf nicht jeder: zugelassen sind nur X.509-Zertifikate, und der Validator gleicht sie gegen eine Vertrauensliste ab. Die offizielle C2PA Trust List läuft seit Mitte 2025 im Rahmen des Konformitätsprogramms, das Erzeuger- und Prüfprodukten zusätzlich Sicherheitsanforderungen auferlegt. Die vorherige provisorische Liste wurde zum 1. Januar 2026 eingefroren, bereits ausgestellte Zertifikate bleiben aber für Inhalte gültig, die während ihrer Laufzeit signiert wurden.
Warum das wichtig ist
Hier kommt der unbequeme Teil. Metadaten überstehen den Weg durchs Internet schlecht. Viele Plattformen komprimieren oder schreiben Dateien beim Hochladen neu, Content-Management-Systeme exportieren sie ohne Manifest erneut, und ein Bildschirmfoto löscht alles: Das Ergebnis ist eine neue Datei ohne Signatur, nicht von irgendeiner anderen zu unterscheiden. Deshalb beweist das Fehlen von Credentials nichts. Weder dass ein Bild echt ist noch dass es manipuliert wurde.
Die Norm selbst verspricht nichts anderes. Die Spezifikation legt fest, dass sie keine Werturteile darüber abgeben soll, ob ein Satz Herkunftsdaten gut oder schlecht ist, und beschränkt sich darauf zu prüfen, ob die Assertions korrekt gebildet, der Datei zugeordnet und unverändert sind. Die Dokumentation der Content Authenticity Initiative ist ebenso deutlich: Credentials informieren über Ursprung und Verlauf, sind aber nicht dafür gedacht, über die Echtheit eines Inhalts zu befinden.
Was die Signatur belegt, ist die Identität der signierenden Stelle und dass sich die Bits seitdem nicht geändert haben. Sie belegt nicht, dass das Signierte zutrifft. Wer mit einem gültigen Zertifikat signiert, kann trotzdem falsch beschreiben, was er getan hat, und die Spezifikation räumt ein, dass der Signierende nicht für die Richtigkeit von Metadaten außerhalb des Manifests einsteht, selbst wenn die harte Bindung sie abdeckt. Wer Content Credentials als Echtheitsnachweis verkauft, verkauft etwas, das der Standard nicht behauptet.
Häufige Fragen
Beweisen Content Credentials, dass ein Foto echt ist?
Nein. Sie belegen, wer die Datei signiert hat und dass sich die Bits seit der Signatur nicht geändert haben, mehr nicht. Wer mit gültigem Zertifikat signiert, kann trotzdem falsch beschreiben, was er getan hat. Die Spezifikation vermeidet Urteile darüber, ob Herkunftsdaten gut oder schlecht sind, und prüft nur, ob sie korrekt gebildet sind.
Was passiert, wenn ich ein Bildschirmfoto eines signierten Bildes mache?
Das Bildschirmfoto erzeugt eine neue Datei, ohne Manifest und ohne Signatur. Die gesamte Herkunftsinformation verschwindet, und das Ergebnis ist von jedem anderen Bild nicht zu unterscheiden. Das ist der offensichtlichste Fall eines Verlusts, der auch beim Neukomprimieren, beim Zuschneiden mit einem inkompatiblen Editor oder beim erneuten Export aus einem Redaktionssystem eintritt.
Welche Fassung des Standards gilt derzeit?
Die 2.4 vom April 2026, sie folgt auf die 2.3 vom Dezember 2025. Die erste Spezifikation stammt vom Januar 2022. Zu den jüngeren Neuerungen zählen eine Assertion zur KI-Offenlegung, die Unterstützung für HTML und strukturierten Text sowie Anpassungen für das Signieren von Livevideo.
Wer darf ein Manifest signieren?
Jeder, der über ein geeignetes X.509-Zertifikat verfügt. Über das Vertrauen entscheidet die Liste, gegen die der Validator dieses Zertifikat abgleicht. Die offizielle C2PA Trust List läuft seit Mitte 2025 im Rahmen des Konformitätsprogramms, und die provisorische Vorgängerliste nimmt seit dem 1. Januar 2026 keine neuen Einträge mehr auf.
Sollte ich Credentials für die Bilder meiner Website aktivieren?
Aktiviere sie, wenn dein Arbeitsablauf das ohne Zusatzkosten hergibt, und bewahre vor allem die signierten Originale auf. Baue aber kein öffentliches Versprechen darauf: Prüfe vorher mit einem Validator, ob die Datei, die deine Website ausliefert, sie nach der Bildverarbeitung behält.