Die Sicherheit von Internet-Übertragungen ist für viele Unternehmen ein zentrales Anliegen. Das erklärt den Aufstieg des Secure Sockets Layer (SSL)-Protokolls. Es wird durch ein angehängtes „S“ an das bekannte Hypertext Transfer Protocol (HTTP) gekennzeichnet, das die Online-Navigation ermöglicht. Laut dem Digital-Marketing-Software-Unternehmen Moz machen Links mit HTTPS bereits 50 % der ersten Google-Suchergebnisseite aus.
Erscheint HTTPS in der Navigationsleiste, wissen Nutzer, dass sie sich in einem sicheren Bereich befinden. Das schafft Vertrauen. Besonders wichtig ist dies bei der Verwaltung persönlicher Daten oder Online-Zahlungen im E-Commerce.
Das HTTPS-Protokoll bestätigt dem Nutzer auch, dass er sich tatsächlich auf der in der Navigationsleiste angezeigten Seite befindet. Dies eliminiert das Risiko einer gefälschten Seite.
Diese Vorteile erklären den Aufschwung des sicheren Protokolls. Es hat in wenigen Monaten bemerkenswerte Sichtbarkeit auf der Google-Ergebnisseite (SERP) gewonnen, wie wir sehen werden.
Der rasante Anstieg von HTTPS-Links
Die Zahlen zeigen einen erstaunlichen Anstieg von HTTPS. Das geht aus Daten hervor, die der Marketing-Experte Peter J. Meyers kürzlich im Moz-Blog veröffentlichte. Vor neun Monaten führte er eine Studie mit Google-Suchen basierend auf 10.000 Keywords durch. Damals waren 30 % der Links auf Googles erster Seite mit dem HTTPS-Sicherheitsprotokoll verbunden.
Anfang dieser Woche ist der Wert laut Meyers auf 50 % gestiegen. Der Experte weist darauf hin, dass keine großen Ergebnisabweichungen festgestellt wurden. Das deutet darauf hin, dass dieser Anstieg auf eine wachsende Akzeptanz von HTTPS zurückzuführen ist und nicht auf signifikante Änderungen im Google-Algorithmus.
Die SEO- und Marketing-Plattform Rank Ranger hat diese Daten durch ein weiteres Tracking- und Messsystem bestätigt. Das verleiht dieser Statistik zusätzliche Glaubwürdigkeit.
Setzt sich dieses Wachstum fort, würde der Anteil sicherer Seiten auf der ersten Google-Suchergebnisseite bis Ende dieses Jahres bei 65 % liegen. Und das, ohne dass Google seinen Algorithmus anpasst, um HTTPS-Links bei zunehmender Verbreitung zu bevorzugen. Gary Illyes, Google-Analyst, bestätigte Moz via Twitter, dass diese Änderung nicht in den unmittelbaren Plänen des Unternehmens stand.
Was 2018 ein vielversprechender Trend war, ist heute, 2024, ein unverzichtbarer Standard. Laut einem Statista-Bericht von 2023 nutzen bereits über 95 % der Seiten auf Googles erster Ergebnisseite HTTPS. Dieser exponentielle Anstieg unterstreicht die kritische Bedeutung, die Google und Nutzer der Sicherheit beimessen. Gary Illyes' Vorhersage, dass Google seinen Algorithmus nicht ändern würde, um HTTPS zu belohnen, hat sich teilweise erfüllt; anstelle einer «Belohnung» ist das Fehlen von HTTPS zu einer «Bestrafung» oder zumindest zu einem Faktor geworden, der Vertrauen und Sichtbarkeit mindert.
Sicherheit: eine Baustelle für viele Top-Seiten
Obwohl schwer zu bestätigen, könnte Googles Inaktivität darauf zurückzuführen sein, dass wichtige Websites noch keine sicheren Ergebnisse integriert haben. Ein Beispiel: Unten finden Sie die Top 20 der von Moz analysierten Websites, zusammen mit der Anzahl der sicheren Subdomains, die das HTTPS-Protokoll verwenden.
In dieser Liste ist der Fall von eBay, einem der größten E-Commerce-Referenzen weltweit, besonders auffällig.
1) en.wikipedia.org – 100,0%
2) www. amazon.com – 99,9%
3) www. facebook.com – 100,0%
4) www. yelp.com – 99,7%
5) www. youtube.com – 99,6%
6) www. pinterest.com – 100,0%
7) www. walmart.com – 100,0%
8) www. tripadvisor.com – 99,7%
9) www. webmd.com – 0,2%
10) allrecipes.com – 0,0%
11) www. target.com – 0,0%
12) www. foodnetwork.com – 0,0%
13) www. ebay.com – 0,0%
14) play.google.com – 100,0%
15) www. bestbuy.com – 0,0%
16) www. mayoclinic.org – 0,0%
17) www. homedepot.com – 0,0%
18) www. indeed.com – 0,0%
19) www. zillow.com – 100,0%
20) shop.nordstrom.com – 0,0%
Die vorgestellte, wenn auch historische Liste, verdeutlicht einen entscheidenden Punkt: Selbst große Marktteilnehmer zögerten mit der Einführung von HTTPS. Heute wäre eine E-Commerce-Seite wie eBay ohne HTTPS undenkbar. Diese Entwicklung zeigt, dass der Druck von Google und das Bewusstsein der Nutzer einen massiven Wandel erzwungen haben. In unserer Erfahrung bei ZDS Digital ist die Migration zu HTTPS heute einer der ersten Schritte in jeder ernsthaften SEO-Strategie, insbesondere für Websites, die Transaktionen oder sensible Daten verarbeiten.
Warum Sie HTTPS so schnell wie möglich einführen sollten
Neben den möglichen SEO-Vorteilen gibt es weitere Gründe, sich für das sichere HTTPS-Protokoll zu entscheiden. Der Chrome-Browser wird Seiten, die es nicht verwenden, als unsicher kennzeichnen, insbesondere wenn Passwörter oder Kreditkartennummern abgefragt werden.
Mit der zunehmenden Verbreitung von HTTPS ist es möglich, dass Google den Druck erhöht, dieses Sicherheitsprotokoll zu integrieren. Daher ist es ratsam, dass neue Websites es von Anfang an implementieren (besonders, wenn vertrauliche Informationen ausgetauscht werden). Sicherheitszertifikate sind recht günstig und bergen kaum Risiken.
Direkter Einfluss auf Nutzererfahrung und Conversion
Die Kennzeichnung „Nicht sicher“ in Browsern wie Chrome erzeugt Misstrauen und kann sich direkt auf Absprungraten und Conversion Rate auswirken. Eine GlobalSign-Studie von 2023 zeigte, dass 84 % der Nutzer einen Online-Kauf abbrechen würden, wenn sie feststellen, dass die Seite nicht sicher ist. Für einen E-Commerce bedeutet dies erhebliche Verluste. Die Ladegeschwindigkeit, oft mit Serverkonfiguration und Website-Optimierung verbunden, kann sich mit HTTPS ebenfalls verbessern, da es die Nutzung von HTTP/2, einem effizienteren Protokoll, ermöglicht.
HTTPS als Schlüsselfaktor für E-E-A-T und Helpful Content
Im heutigen SEO, wo E-E-A-T (Experience, Expertise, Authority, Trustworthiness) und Googles Helpful Content Updates von größter Bedeutung sind, ist HTTPS-Sicherheit ein grundlegender Pfeiler. Eine unsichere Website kann nicht als vertrauenswürdig gelten, was ihre Autorität und Expertise in den Augen von Google untergräbt. Der Algorithmus zielt darauf ab, Nutzern nützliche und sichere Inhalte anzubieten, und HTTPS ist eine Grundvoraussetzung, um den „sicheren“ Teil zu erfüllen. Bei ZDS Digital betonen wir stets, dass Sicherheit das Fundament ist, auf dem eine erfolgreiche Content-Strategie aufgebaut wird.
Die Bedeutung von Core Web Vitals und HTTPS
Die Core Web Vitals, die die Nutzererfahrung auf der Seite messen, werden indirekt auch von HTTPS beeinflusst. Obwohl HTTPS selbst kein Core Web Vital ist, weist eine sichere Website tendenziell eine bessere Infrastruktur und somit eine bessere Performance auf. Die neue Metrik INP (Interaction to Next Paint), die ab März 2024 FID (First Input Delay) ersetzt, bewertet die Reaktionsfähigkeit einer Seite. Ein gut implementiertes SSL-Zertifikat und eine optimierte Serverkonfiguration können zu schnellerem Laden und flüssigerer Interaktion beitragen, wodurch der INP verbessert wird.
GA4 und Datenschutz
Mit dem vollständigen Übergang zu Google Analytics 4 (GA4) und einem wachsenden Fokus auf Datenschutz (DSGVO, CCPA) ist HTTPS wichtiger denn je. GA4 ist darauf ausgelegt, widerstandsfähiger gegenüber Datenschutzänderungen zu sein, aber die Erfassung von Nutzerdaten in einer unsicheren Umgebung ist eine riskante Praxis und kann zu Sanktionen führen. Eine HTTPS-Website stellt sicher, dass die zwischen Nutzer und Server übertragenen Daten, einschließlich Analysedaten, verschlüsselt und geschützt sind, was für die Einhaltung aktueller und zukünftiger Datenschutzbestimmungen unerlässlich ist.
AI Search und die Vertrauenswürdigkeit von Inhalten
Die Verbreitung der KI-basierten Suche mit Tools wie ChatGPT, Perplexity AI oder Googles eigener SGE (Search Generative Experience) unterstreicht die Notwendigkeit vertrauenswürdiger und sicherer Inhalte. Diese KIs werden mit Informationsquellen trainiert und stützen ihre Antworten auf jene, die sie als autoritativ und sicher erachten. Eine HTTPS-Website ist ein grundlegender Indikator für diese Vertrauenswürdigkeit. Wenn eine KI eine Website als „nicht sicher“ erkennt, ist es unwahrscheinlicher, dass sie diese als Quelle verwendet, was die indirekte Sichtbarkeit Ihrer Inhalte in KI-generierten Ergebnissen beeinträchtigt.
HTTPS implementieren: Quick Wins und häufige Fehler
Wichtige Schritte für eine erfolgreiche HTTPS-Migration:
- SSL-Zertifikat erwerben: Es gibt kostenlose Optionen wie Let's Encrypt oder kostenpflichtige mit verschiedenen Validierungsstufen (DV, OV, EV). Für die meisten KMU ist ein DV-Zertifikat ausreichend.
- Zertifikat auf dem Server installieren: Ihr Hosting-Anbieter kann Ihnen dabei helfen.
- Alle internen Links aktualisieren: Stellen Sie sicher, dass alle internen Links Ihrer Website auf die HTTPS-Version verweisen.
- 301-Weiterleitungen: Implementieren Sie 301-Weiterleitungen von HTTP zu HTTPS für alle URLs. Dies ist entscheidend, um den SEO-Wert zu erhalten und doppelten Inhalt zu vermeiden.
- Externe Ressourcen aktualisieren: Überprüfen Sie Bilder, Skripte, CSS und andere Ressourcen, die möglicherweise über HTTP-URLs geladen werden.
- Google Search Console und Google Analytics aktualisieren: Informieren Sie Google über die Protokolländerung. Stellen Sie in GA4 sicher, dass Ihre Property-Einstellungen die HTTPS-URL widerspiegeln.
- Sitemap.xml und Robots.txt aktualisieren: Stellen Sie sicher, dass diese Dateien auf die HTTPS-URLs verweisen.
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten:
- Mixed Content: Wenn Elemente (Bilder, Skripte) auf einer HTTPS-Seite über HTTP geladen werden. Dies kann Sicherheitswarnungen im Browser verursachen.
- Fehlerhafte Implementierung von 301-Weiterleitungen: Führt zu Verlust von Link-Autorität und Indexierungsproblemen.
- Vergessen, kanonische Links zu aktualisieren: Kanonische Links müssen auf die HTTPS-Version der Seite verweisen.
- Ladegeschwindigkeit ignorieren: Obwohl HTTPS sicher ist, kann eine schlechte Konfiguration die Website verlangsamen. Optimieren Sie Ihre Ressourcen.
- Keine Überwachung nach der Migration: Nutzen Sie Tools wie Google Search Console, um Crawling- oder Indexierungsfehler zu erkennen.
Empfohlene Tools für Migration und Überwachung:
- Screaming Frog SEO Spider: Zum Crawlen Ihrer Website und Erkennen von Mixed Content, internen HTTP-Links und Weiterleitungsfehlern.
- Sitebulb: Bietet umfassende technische Audits, einschließlich SSL-Sicherheitsprüfungen.
- Google Search Console: Unerlässlich zur Überwachung des Indexierungsstatus, von Crawling-Fehlern und der Performance in den Suchergebnissen nach der Migration.
- SSL Labs SSL Server Test: Zur Überprüfung der Konfiguration Ihres SSL-Zertifikats und der Sicherheit Ihres Servers.
- Cloudflare: Bietet CDN und kostenlose SSL-Zertifikate (flexibel oder vollständig), die die Implementierung von HTTPS erleichtern.
Die Zukunft der Websicherheit und SEO
Blicken wir auf 2026 und darüber hinaus, wird sich die Websicherheit weiterentwickeln. Wir werden eine zunehmende Einführung fortschrittlicherer Sicherheitsprotokolle wie TLS 1.3 und eine stärkere Integration der Sicherheit auf Anwendungsebene erleben. Google wird weiterhin die Nutzererfahrung und das Vertrauen priorisieren, was bedeutet, dass HTTPS nicht nur eine Anforderung, sondern eine Grundlage sein wird, auf der zukünftige Qualitäts- und Ranking-Metriken aufbauen. Für Unternehmen ist die Investition in eine solide Sicherheitsinfrastruktur eine wesentliche Geschäftsstrategie für Glaubwürdigkeit und langfristige Nachhaltigkeit.
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