Zum Inhalt springen

Glossar Rankingfaktor

Was ist ein Rankingfaktor?

Definition

Ein Rankingfaktor ist alles, was Google zur Entscheidung nutzt, in welcher Reihenfolge Suchergebnisse erscheinen. Nur eine Handvoll davon hat Google offiziell mit Namen und Datum bestätigt. Der Rest sind Signale, die in Studien mit gutem Ranking korrelieren, ohne dass Google sie als direkten Faktor anerkennt.

Ein am Ende aufgedrehtes Hanfseil, die einzelnen Litzen gespreizt — daneben der Titel Ranking-Faktor
Eine Litze von vielen — allein trägt keine
Auf dieser Seite 5
  1. Welche Faktoren Google offiziell bestätigt hat
  2. Was eine Korrelation ist und warum sie kein Faktor ist
  3. Warum der Unterschied zählt
  4. Best Practices
  5. Häufige Fehler
Kurz gefasst

Welche Faktoren Google mit Namen und Datum bestätigt hat (HTTPS, mobile Nutzbarkeit, Core Web Vitals, hilfreicher Content), was korrelierende Signale sind, die nicht bestätigt wurden, und warum die Liste der „200 Rankingfaktoren", die durch die Branche kursiert, nie von Google selbst stammt.

Ein am Ende aufgedrehtes Hanfseil, die einzelnen Litzen gespreizt — daneben der Titel Ranking-Faktor
Eine Litze von vielen — allein trägt keine

Welche Faktoren Google offiziell bestätigt hat

Google bestätigt nur sehr wenige Rankingfaktoren namentlich, mit Datum und über eigene Kanäle. Das meiste, was unter dem Etikett „Rankingfaktor" kursiert, ist Interpretation Dritter, keine Aussage von Google. Diese vier sind tatsächlich bestätigt, mit Quelle und Datum:

  • HTTPS: Google machte HTTPS am 6. August 2014 zum Rankingsignal, laut dem eigenen Search Central Blog (damals Webmaster Central Blog). Der Beitrag beschrieb es als „leichtes Signal", mit weniger Gewicht als Content-Qualität und einer damaligen Auswirkung auf weniger als 1 % der weltweiten Suchanfragen.
  • Mobile Nutzbarkeit und Mobile-First-Indexierung: Google kündigte am 26. Februar 2015 an, dass mobile Kompatibilität ins Ranking einfließt, wirksam ab dem 21. April desselben Jahres, das Update, das die Branche „Mobilegeddon" taufte. Seit 2019 indexiert Google zudem standardmäßig die mobile Version jeder Seite statt der Desktop-Version, nach dem Prinzip der Mobile-First-Indexierung.
  • Core Web Vitals: gehören seit 2021 zu den „Page Experience"-Signalen, zusammen mit HTTPS und dem Verzicht auf aufdringliche Interstitials, laut der offiziellen Search-Central-Dokumentation zu den Core Web Vitals.
  • Hilfreicher, personenzentrierter Content („Helpful Content"): Google kündigte ihn am 18. August 2022 an, mit Rollout ab dem 25. desselben Monats. Seit 2024 ist er kein eigenständiges Update mehr, sondern Teil der zentralen Ranking-Systeme, laut dem offiziellen Leitfaden „Creating helpful, reliable, people-first content".

Bemerkenswert ist die Gemeinsamkeit: Jeder Punkt hat ein Ankündigungsdatum, eine identifizierbare offizielle Quelle und im Fall von HTTPS sogar eine von Google selbst genannte Wirkungsgröße. Außerhalb dieser kurzen Liste hat Google systematisch vermieden, einzelne Faktoren mit diesem Detailgrad zu bestätigen. Behauptet ein Artikel, Google habe einen Faktor „bestätigt", ohne Datum oder eigene Quelle zu nennen, wiederholt er meist eine Branchenannahme, keine echte Aussage.

Was eine Korrelation ist und warum sie kein Faktor ist

Ein korrelierendes Signal ist eine Eigenschaft, die in einer konkreten Studie häufiger bei gut rankenden Seiten auftaucht. Das heißt nicht, dass Google es als Faktor nutzt: Es kann Folge einer gemeinsamen Ursache sein, oder schlicht statistischer Zufall in der untersuchten Stichprobe. Der Unterschied zählt, weil ein bestätigter Faktor ein Hebel ist, den man mit einer vernünftigen Erwartung auf Wirkung betätigen kann. Eine Korrelation ist bestenfalls ein Hinweis, der genauere Prüfung verdient.

Das meistzitierte Beispiel der Branche ist die Liste der „200 Rankingfaktoren". Ihr Ursprung liegt in einer Bemerkung von Matt Cutts, damals Leiter des Antispam-Teams von Google, der 2009 erwähnte, der Algorithmus arbeite mit „über 200 Variablen". Google hat diese Liste nie mit Namen und Gewichtungen veröffentlicht. Die heute kursierenden Versionen mit 200 durchnummerierten Punkten stammen von SEO-Tool-Anbietern, die sie aus eigener Beobachtung zusammenstellen, nicht aus einer Google-Quelle.

Es gibt auch datierte Gegenbeispiele mit konkretem Zitat. Im Januar 2014 dementierte Matt Cutts selbst in einem offiziellen Google-Webmasters-Video, dass Facebook-„Gefällt mir"-Angaben oder Twitter-Follower Teil des Rankingalgorithmus seien. Im Juni 2019 antwortete Google-Mitarbeiter John Mueller auf Twitter, dass „das Domainalter nichts hilft", als er gefragt wurde, ob eine ältere Domain besser rankt. Beide Signale tauchen weiterhin in Drittanbieter-Listen von „Faktoren" auf, obwohl Google sie mit Namen und Datum explizit dementiert hat.

Bei der Ladegeschwindigkeit passiert eine ähnliche Verwechslung. Google hat die Core Web Vitals als Signal bestätigt, nicht eine generische Metrik „Ladesekunden" daneben. Wer Page Speed als zusätzlichen, eigenständigen Faktor neben den Core Web Vitals behandelt, vermischt eine nützliche Diagnose-Metrik mit einem Rankingsignal, das Google präzise definiert hat.

Ein aktueller Fall zeigt, warum die Versuchung bleibt, jede Korrelation als bestätigten Faktor zu behandeln. Im Mai 2024 gelangte interne Dokumentation der Google-API „Content Warehouse" versehentlich auf GitHub, mit über 14.000 Attributen in rund 2.600 Modulen. Google bestätigte am 29. desselben Monats die Echtheit der Dokumente, warnte aber davor, „ungenaue Annahmen über die Suche auf Basis von kontextlosen, veralteten oder unvollständigen Informationen" zu treffen. Die Leak zeigt: Google verarbeitet weit mehr Signale, als es öffentlich bestätigt, und der Name eines Feldes in einer internen Datenbank sagt nichts darüber aus, wie oder ob dieses Feld tatsächlich ins Ranking einfließt.

Warum der Unterschied zählt

Wer eine Korrelation als bestätigten Faktor verkauft, verspricht mehr Kontrolle, als tatsächlich existiert. Behauptet eine Agentur oder ein Tool „optimiere diese 200 Faktoren und du steigst im Ranking", verspricht das einen Ursache-Wirkung-Zusammenhang, den nicht einmal Google für die meisten dieser Punkte belegt hat. Der Kunde kauft ein Gefühl von Sicherheit, keine echte Garantie.

Dieser Anreiz ist nicht auf klassisches SEO beschränkt. Bei der Sichtbarkeit in Antworten generativer KI passiert Ähnliches. Eine Ahrefs-Studie vom 26. Mai 2025, über 75.000 Marken ausgewertet, findet für die Zahl der Backlinks nur eine schwache Korrelation von 0,218 mit der Präsenz in Google AI Overviews, während unverlinkte Markenerwähnungen mit 0,664 deutlich stärker korrelieren. Eine Semrush-Studie vom 16. Oktober 2025 kommt für den Authority Score dagegen auf einen deutlich höheren Wert von 0,65, gemessen an einer anderen Stichprobe mit einer anderen Methode. Beide Studien warnen selbst davor, ihre Zahlen als Kausalität zu lesen, und stimmen in der Größenordnung nicht einmal überein. Das gleiche Muster wiederholt sich in beiden Feldern: Je weniger echte Sicherheit hinter einer Zahl steckt, desto lohnender wird es, sie zu verkaufen, als gäbe es diese Sicherheit doch.

Wer davon profitiert, die Grenze zwischen Faktor und Korrelation zu verwischen, ist meist, wer den „Optimierungs"-Dienst verkauft, nicht wer ihn kauft. Eine lange, durchnummerierte Liste von Faktoren wirkt gründlicher als eine kurze, ehrliche Liste, auch wenn nur die kurze durch eine überprüfbare, datierte Quelle gedeckt ist.

Für die eigene Praxis heißt das nicht, Korrelationsdaten zu ignorieren. Eine schwache oder widersprüchliche Korrelation ist immer noch ein Hinweis, dem man nachgehen kann, nur eben kein Versprechen. Wer intern kommuniziert, dass Backlinks „vielleicht" mit KI-Sichtbarkeit zusammenhängen, aber nicht garantiert Rankingwirkung entfalten, trifft realistischere Erwartungen als jemand, der dieselbe Korrelation als sicheren Hebel verkauft.

Best Practices

  • Bevor du etwas „Faktor" nennst, suche die Primärquelle: die Search-Central-Dokumentation, einen offiziellen Google-Blogbeitrag oder eine namentlich datierte Aussage von jemandem bei Google, nicht einen Artikel, der „Studien" zitiert, ohne sie zu verlinken.
  • Handelt es sich um eine Korrelationsstudie, prüfe die Stichprobengröße, die statistische Methode und ob die Autoren selbst darauf hinweisen, dass Korrelation keine Kausalität bedeutet, so wie Ahrefs es in eigenen Berichten zur KI-Sichtbarkeit tut.
  • Traue keiner Zahl, die ohne Datum oder Link zur Originalquelle zitiert wird. In einem Feld, das sich alle paar Monate ändert, ist eine undatierte Angabe oft schon veraltet, bevor sie gelesen wird.
  • Widersprechen sich zwei seriöse Quellen, wie es zwischen der Ahrefs- und der Semrush-Studie zu Backlinks und KI-Sichtbarkeit der Fall ist, nenne beide Werte mit Studie und Datum, statt nur die Zahl zu zitieren, die besser ins eigene Argument passt.
  • Prüfe regelmäßig developers.google.com/search auf Änderungen: Google versieht diese Dokumentation mit einem sichtbaren Aktualisierungsdatum am Seitenfuß.

Häufige Fehler

  • Die Liste der „200 Rankingfaktoren" so präsentieren, als hätte Google sie veröffentlicht, obwohl ihr Ursprung eine lose Zahl von 2009 ist, die Google nie im Detail ausgeführt hat.
  • „Optimiere das Domainalter" oder das Sammeln von Social-Media-Erwähnungen als Rankingfaktoren empfehlen, obwohl Google beides explizit dementiert hat.
  • Die Ladegeschwindigkeit als eigenen Faktor neben den Core Web Vitals behandeln, statt zu verstehen, dass diese genau die Form sind, in der Google diese Geschwindigkeit misst und nutzt.
  • Eine Korrelationsstudie, etwa zwischen Backlinks und KI-Erwähnungen, als Kausalitätsbeweis zitieren, ohne zu erwähnen, dass die Autoren selbst das Gegenteil betonen.
  • Das Datum einer Quelle ignorieren: 2026 eine Zahl oder einen Faktor aus dem Jahr 2009 wiederholen, ohne zu prüfen, ob Google ihn aktualisiert, zurückgezogen oder in ein umfassenderes System integriert hat.
Manuel Riveiro Rodriguez CEO & Digital Strategist

Eine technische Prüfung sieht sich das und alles Weitere in einem Durchgang an.

Audit anfragen

Häufige Fragen

Stimmt es, dass Google 200 Rankingfaktoren nutzt?

Nicht als geschlossene, von Google veröffentlichte Liste. Die Zahl geht auf eine Bemerkung von Matt Cutts aus dem Jahr 2009 über „über 200 Variablen" im Algorithmus zurück. Google hat diese Liste nie mit Namen und Gewichtungen im Detail veröffentlicht. Die heute kursierenden „200 Faktoren"-Listen stammen von SEO-Tool-Anbietern, die sie aus eigener Beobachtung erstellen, nicht aus einer offiziellen Quelle.

Welche Rankingfaktoren hat Google tatsächlich bestätigt?

Unter anderem HTTPS (seit August 2014), mobile Nutzbarkeit und Mobile-First-Indexierung (seit 2015 beziehungsweise 2019), die Core Web Vitals (seit 2021) und das System für hilfreichen, personenzentrierten Content (seit 2022). Alle haben ein Ankündigungsdatum und eine identifizierbare offizielle Quelle in Search Central.

Beeinflussen Domainalter oder Social-Media-„Gefällt mir" das Ranking?

Google hat beides explizit als Faktor dementiert. John Mueller sagte im Juni 2019, das Domainalter „hilft nichts", und Matt Cutts verneinte im Januar 2014, dass Facebook oder Twitter Teil des Algorithmus seien. Dass beide weiter in Drittanbieter-Listen von „Faktoren" auftauchen, ändert nichts an diesen offiziellen Aussagen.

Warum gibt es Studien, die sagen, Backlinks beeinflussen, ob eine Marke in ChatGPT erscheint?

Das sind Korrelationsstudien, keine Bestätigungen von Google. Ahrefs und Semrush haben statistische Zusammenhänge zwischen Backlinks oder Domain-Autorität und der Häufigkeit von Erwähnungen in KI-Antworten gemessen, mit Ergebnissen, die je nach Studie von schwach bis moderat reichen. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass Korrelation keine Kausalität ist.

Wie erkenne ich beim Lesen eines SEO-Artikels, ob etwas ein bestätigter Faktor oder nur eine Korrelation ist?

Prüfe, ob der Artikel eine offizielle Google-Quelle mit Datum zitiert, oder eine externe Studie mit Methodik und Stichprobengröße. Fehlt beides, handelt es sich meist um eine Vermutung, die von Artikel zu Artikel weitergereicht wird, nicht um einen belegten Fakt.

Quellen

  1. Google Search Central Blog, „HTTPS as a ranking signal": bestätigt am 6. August 2014, dass HTTPS zum Rankingsignal wird, beschrieben als „leichtes Signal" mit weniger Gewicht als Content-Qualität.
  2. Google Search Central, „Understanding page experience in Google Search results": beschreibt die bestätigten Page-Experience-Signale (Core Web Vitals, HTTPS, mobile Nutzbarkeit, Verzicht auf aufdringliche Interstitials). Aktualisiert am 10. Dezember 2025.
  3. Google Search Central, „Creating helpful, reliable, people-first content": offizieller Leitfaden zum System für hilfreichen Content, seit 2024 Teil der zentralen Ranking-Systeme. Zuletzt aktualisiert am 10. Dezember 2025.