Thin Content vs. Duplicate Content: zwei verschiedene Probleme
Die beiden Begriffe werden oft vermischt, weil sie in denselben Audits auftauchen und beide mit „minderwertigem Content" in Verbindung gebracht werden. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen. Thin Content fragt, wie viel Wert ein Text der lesenden Person liefert: ob er ihre Frage löst, ihr etwas Neues sagt, den Klick rechtfertigt. Doppelter Content fragt, ob dieser Text schon woanders existiert, identisch oder fast identisch, ganz unabhängig davon, ob er gut oder schlecht ist.
Ein Text kann schwach und gleichzeitig völlig einzigartig sein: eine hundert Wörter lange Produktseite, komplett neu geschrieben, die nur sagt „diese Tasche ist elegant und praktisch", ohne ein einziges Maß, Material oder einen Fakt, der bei der Kaufentscheidung hilft. Diesen genauen Absatz hat sonst niemand, also gibt es kein Duplicate-Content-Problem. Er bringt aber auch nichts, also bleibt es Thin Content. Umgekehrt geht es auch: ein gut recherchierter Artikel mit Daten und klarer Struktur, den eine andere Website unverändert übernommen und auf der eigenen Domain veröffentlicht hat. Diese zweite Seite hat kein Tiefenproblem, sie hat ein Originalitätsproblem. Beide Fälle landen in der gleichen Rubrik „schlechter Content", obwohl die Ursache jeweils eine andere ist und deshalb auch eine andere Lösung braucht.
Die beiden Dimensionen sind unabhängig voneinander. Am besten stellt man sie sich als zwei Achsen vor: wie viel Wert der Content liefert, und ob er exklusiv für diese URL steht oder nicht.
| Einzigartiger Content | Duplizierter Content | |
|---|---|---|
| Reichhaltiger Content | Idealfall: vollständige, eigene, gut strukturierte Information, die es mit diesem Wortlaut nirgendwo sonst gibt. | Content mit echter Qualität, aber unverändert auf einer anderen Domain übernommen, etwa eine Pressemitteilung, die mehrere Medien syndiziert übernehmen. |
| Dünner Content | Schwach, aber ohne Duplicate-Content-Problem: eine kurze, eigene Seite, die trotzdem nichts Nützliches sagt, obwohl sie sonst niemand hat. | Beide Probleme gleichzeitig: in Serie erzeugte Produktseiten, die zusätzlich die Herstellerbeschreibung Wort für Wort kopieren. |
Das Feld, das in der Praxis am meisten Kopfschmerzen bereitet, ist dünn und dupliziert zugleich. Es ist das typische Muster eines großen E-Commerce-Katalogs: Tausende Produktseiten mit derselben Herstellerbeschreibung, ohne eigenen Mehrwert, zusätzlich dupliziert in Dutzenden anderen Shops, die dasselbe Produkt verkaufen. Ein Canonical-Tag allein löst das nicht, denn das eigentliche Problem, der fehlende eigene Content, bleibt bestehen, auch wenn Google die Signale auf einer einzigen URL bündelt.
