Was doppelter Content genau ist
Von doppeltem Content spricht man, wenn derselbe Textblock, oder eine fast identische Version davon, über mehrere unterschiedliche URLs erreichbar ist. Das passiert innerhalb einer Website, wenn zwei Pfade zum selben Produkt führen, oder über Domain-Grenzen hinweg, wenn ein Artikel unverändert auf einer anderen Seite erneut veröffentlicht wird. Google crawlt und indexiert pro URL, nicht pro Inhalt: Jede Adresse, die denselben Text ausliefert, ist technisch gesehen eine neue Seite, die verarbeitet, verglichen und eingeordnet werden muss.
Das exakte Duplikat ist der einfachste Fall. Dieselbe Seite, geladen mit und ohne Tracking-Parameter, mit und ohne Slash am Ende, über http und https, mit und ohne www. Das HTML ändert sich kaum zwischen den Versionen, nur die Adresse ist anders. Meist ist das ein technischer Nebeneffekt und keine redaktionelle Entscheidung, und fast immer reicht ein einziges Werkzeug zur Lösung: Canonical oder Redirect.
Near Duplicate, also nahezu doppelter Content, ist eine andere Sache. Der Text ist nicht identisch, aber so ähnlich, dass er kaum zusätzlichen Wert bringt: die Produktseite eines T-Shirts in Größe S und dieselbe Seite in Größe M mit zwei geänderten Wörtern, eine Pressemitteilung, die auf zehn Portalen mit demselben Fließtext läuft, eine Druckversion eines Artikels, oder eine Landingpage, die zwischen zwei Märkten halb übersetzt wurde, ohne die Beziehung zwischen beiden Versionen per Hreflang zu markieren. Das ist in der Praxis mit Abstand der häufigere Fall. Kaum eine Website hat absichtlich exakte Duplikate, aber fast jede Website ab einer gewissen Größe sammelt Near-Duplicate-Varianten an, ohne es zu merken.
In beiden Fällen ist die praktische Wirkung ähnlich. Google entscheidet sich meist für eine Version, die es in den Ergebnissen zeigt, und behandelt die übrigen als Nebenkopien, die nicht eigenständig konkurrieren. Die Website verliert dadurch keine Autorität, gewinnt aber auch nichts, wenn die Kopien getrennt bleiben, statt die Autorität auf einer URL zu bündeln. Dazu kommt ein indirekter Kostenpunkt: doppelte Seiten zu crawlen, zu vergleichen und zu verwerfen kostet Crawl-Budget, das Google sonst für neue oder relevante Inhalte derselben Website einsetzen könnte.
