Was Anchor Text ist und warum er für Barrierefreiheit zählt
Der Ankertext ist der Teil eines Links, auf den man klickt: das blau unterstrichene Wort, der Satzfragment oder der Button-Text. Technisch steckt er im <a>-Tag zwischen den öffnenden und schließenden Klammern, etwa <a href="...">Ankertext</a>. Zusätzlich gibt es das title-Attribut, das beim Hovern als Tooltip erscheint, aber für Google ein deutlich schwächeres Signal ist als der sichtbare Linktext selbst.
Für Suchmaschinen ist der Ankertext seit den Anfängen von PageRank eine der wichtigsten Quellen, um zu verstehen, wovon eine verlinkte Seite handelt. Verlinken zehn unabhängige Seiten ein Dokument mit dem Text „Buchhaltungssoftware für Freelancer", ordnet Google diesem Dokument thematisch genau dieses Feld zu, unabhängig davon, was auf der Seite selbst steht. Das macht Ankertext zu einem der wenigen Rankingfaktoren, den man beim Empfänger eines Links nicht direkt kontrolliert, sondern nur beeinflusst, etwa durch Linkbuilding-Outreach oder redaktionelle Erwähnungen.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Linkziel: Der Ankertext beschreibt den Inhalt der Zielseite aus Sicht des Verlinkenden, nicht aus Sicht des Betreibers. Genau diese externe Perspektive macht ihn wertvoll und gleichzeitig manipulierbar.
Google wertet dabei nicht nur den Ankertext selbst, sondern auch Wörter direkt vor und nach dem Link als schwächeres, ergänzendes Kontextsignal, ein Effekt, den man in der SEO-Praxis Co-Occurrence nennt. Das erklärt, warum ein generischer Anker wie „hier weiterlesen" in einem thematisch klaren Satz trotzdem funktioniert: Der umgebende Text liefert nach, was der Ankertext allein nicht zeigt.
Nicht jeder Link hat sichtbaren Text. Verlinkt ein Bild eine andere Seite, etwa ein Produktfoto, das zur Kategorieseite führt, übernimmt in den meisten Fällen der Alt-Text des Bildes die Funktion des Ankertexts. Fehlt auch dieser, bleibt für Google und für Screenreader nur der Kontext der umliegenden Seite übrig, ein deutlich schwächeres Signal. Bei Bild-Links lohnt es sich deshalb, den Alt-Text so zu behandeln wie den Ankertext eines Textlinks: beschreibend, aber nicht mit demselben Keyword auf jeder einzelnen Seite.
Ankertext ist außerdem ein Barrierefreiheits-Thema. Screenreader lesen Nutzern mit Sehbehinderung oft nur die Linkliste einer Seite vor, ohne den umgebenden Fließtext. Ein Ankertext wie „hier klicken" ist in diesem Kontext bedeutungslos, während „Preisliste für Firmenkunden" sofort erkennen lässt, wohin der Link führt. Gute Ankertext-Praxis ist damit nicht nur eine SEO-Frage, sie verbessert auch die Nutzbarkeit der Seite für ein Publikum, das sie anders konsumiert als ein sehender Nutzer mit Maus.
