Was Design Thinking bedeutet
Tim Brown, damals Präsident und CEO von IDEO, beschrieb es im Juni 2008 im Harvard Business Review als Methode, die das, was Menschen brauchen, mit dem verbindet, was die Technik erlaubt und ein Geschäft tragen kann. Das ist eine Beschreibung unter mehreren. Eine systematische Übersichtsarbeit von Micheli und Koautoren (Journal of Product Innovation Management, online im August 2018) kam auf 10 Merkmale und 8 Werkzeuge und spricht von einem Begriff mit so vielen Bedeutungen, dass er unbrauchbar zu werden droht.
Auch einen gesicherten Erfinder gibt es nicht. Peter Rowe nannte ein Buch darüber, wie Architekten und Stadtplaner entwerfen, Design Thinking. Die MIT Press datiert die gebundene Ausgabe auf Dezember 1986. Richard Buchanan veröffentlichte 1992 „Wicked Problems in Design Thinking“ in der Zeitschrift Design Issues. Das HPI in Potsdam sieht die Wurzeln bei Herbert Simon in den 1960er Jahren und schreibt die systematische Methodik David Kelley und der d.school in Stanford zu. Das sind die Daten der jeweiligen Dokumente, und dieses Glossar legt keinen Ursprung fest.
Der Irrtum: Design Thinking sei ein Rezept in fünf Schritten oder ein Workshop mit Klebezetteln. Schon seine Vertreter zählen unterschiedlich:
- Tim Brown (IDEO): drei Räume, die er Inspiration, Ideation und Implementation nennt. Er betont, dass es Räume sind und keine geordnete Abfolge von Schritten.
- Design Council: vier Phasen im Double Diamond, nämlich Discover, Define, Develop und Deliver. Die Seite spricht von Design und Innovation und benutzt den Ausdruck Design Thinking nicht.
- d.school in Stanford: fünf Modi, nämlich Empathize, Define, Ideate, Prototype und Test.
- HPI d-school in Potsdam: sechs Phasen, nämlich Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln und Testen.
Gemeinsam ist ihnen der Weg dahinter: Menschen und Problem verstehen, viele Lösungen öffnen und einige mit Prototypen prüfen, mit Rücksprüngen. Klebezettel sind nur ein Material. Der Leitfaden der d.school nennt sie als eine von vielen möglichen Formen eines Prototyps.
Um das Aussehen von Dingen geht es ebenfalls nicht. Im Fall Shimano, den Brown schildert, wollte das Team zuerst wissen, warum 90 % der Erwachsenen in den USA nicht Rad fahren. Das Aussehen der Räder verschob es bewusst auf später.