Zum Inhalt springen

Glossar Usability

Was ist Usability?

Definition

Usability, auf Deutsch Gebrauchstauglichkeit, beschreibt, wie leicht Menschen eine Oberfläche bedienen, um ihr Ziel zu erreichen. Gemessen wird sie, indem man echten Nutzern zusieht: ob sie die Aufgabe schaffen, wie lange sie brauchen, wie viele Fehler sie machen und ob ihnen die Bedienung angenehm ist.

Auf dieser Seite 5
  1. Was Usability bedeutet
  2. Wie es funktioniert
  3. Warum es zählt
  4. Best Practices
  5. Häufige Fehler
Kurz gefasst

Usability misst, wie leicht sich eine Oberfläche bedienen lässt: die fünf Kriterien nach Nielsen, ISO 9241-11 und der Test mit Nutzern.

Was Usability bedeutet

Jakob Nielsen definiert Usability als Qualitätsmerkmal, das bewertet, wie leicht sich Oberflächen bedienen lassen. Der Begriff steht außerdem für die Methoden, mit denen man die Bedienbarkeit während des Designs verbessert. Nielsen zerlegt sie in fünf Kriterien: - Erlernbarkeit: wie leicht die Grundaufgaben beim ersten Kontakt gelingen. - Effizienz: wie schnell man Aufgaben erledigt, sobald man das Design kennt. - Einprägsamkeit: wie leicht man nach einer Pause wieder zurechtkommt. - Fehler: wie viele Fehler passieren, wie schwer sie wiegen und wie leicht man sie behebt. - Zufriedenheit: wie angenehm die Nutzung ist.

Die Norm ISO 9241-11 definiert Usability in der Fassung, die das W3C zitiert, als das Ausmaß, in dem bestimmte Nutzer ein Produkt nutzen können, um bestimmte Ziele in einem bestimmten Nutzungskontext effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen. Die gültige Ausgabe stammt von 2018, wurde 2023 bestätigt und versteht Usability als Ergebnis der Nutzung. Methoden für Gestaltung oder Bewertung beschreibt die Norm nicht.

Nielsen trennt Usability von der Nützlichkeit (utility), also der Frage, ob das Design die Funktionen hat, die Nutzer brauchen. Erst beides zusammen macht etwas brauchbar: Es hilft wenig, wenn etwas leicht zu bedienen ist, aber nicht das tut, was man sucht.

Wie es funktioniert

Die Grundmethode ist der Nutzertest. Nach Nielsen hat er drei Teile: repräsentative Nutzer gewinnen, ihnen realistische Aufgaben geben und beobachten, wo sie Erfolg haben und wo sie hängen bleiben, ohne ihnen zu helfen. Oft bittet man sie, dabei laut zu denken.

NN/g unterscheidet zwei Testarten. Der qualitative Test sucht Probleme und ist der häufigere. Für eine Nutzergruppe empfiehlt NN/g fünf Teilnehmer. Nielsen hat im Jahr 2000 berechnet, dass jeder Nutzer im Schnitt 31 % der Probleme aufdeckt und fünf Nutzer rund 85 % finden. Der quantitative Test erhebt Kennzahlen wie Erfolgsquote und Zeit je Aufgabe, eignet sich für den Vergleich von Versionen und braucht mehr Teilnehmer; NN/g verweist auf 20 Nutzer.

Ohne Nutzer kann eine Fachperson die Oberfläche anhand der zehn Heuristiken von Nielsen prüfen, die 1994 erschienen sind. Nielsen selbst nennt sie Faustregeln und keine konkreten Usability-Richtlinien. Eine heuristische Prüfung ersetzt den Test also nicht.

Fünf Nutzer für die Fehlersuche, zwanzig für Kennzahlen.

Warum es zählt

Im Web ist Usability laut Nielsen eine Bedingung dafür, dass eine Website überhaupt funktioniert. Ist sie schwer zu bedienen, sagt die Startseite nicht, was angeboten wird, oder verirrt sich der Nutzer, dann geht er. Niemand liest ein Handbuch, um eine Website zu verstehen.

Auch der Zeitpunkt des Tests zählt. Nielsen rät, vor einem Redesign zu testen, mit Prototypen und während der Umsetzung. Viele Probleme sind strukturell. Zeigen sie sich erst, wenn das Design fertig gebaut ist, muss für die Behebung ein großer Teil neu gebaut werden.

Usability ist ein Teil der User Experience, die die gesamte Beziehung zum Unternehmen und seinem Produkt umfasst. Das User Interface ist der Gegenstand, der bewertet wird, und Barrierefreiheit im Web sorgt dafür, dass Menschen mit Behinderungen es gleichberechtigt nutzen können. Alle drei haben einen eigenen Eintrag in diesem Glossar.

Best Practices

  • Mehrere kleine Tests statt eines großen durchführen: Nielsen empfiehlt drei Studien mit je fünf Nutzern statt einer mit fünfzehn.
  • Nutzer gewinnen, die dem echten Publikum ähneln, nicht Kolleginnen und Kollegen aus dem Team.
  • Realistische Aufgaben stellen und die Oberfläche während der Sitzung nicht erklären.
  • Das bestehende Design vor einem Redesign testen, um zu wissen, was bleiben soll.
  • Erfolgsquote und Zeit je Aufgabe messen, wenn zwei Versionen zu vergleichen sind.

Häufige Fehler

  • Ein Design mit einer Fokusgruppe bewerten: Nielsen warnt, dass das Gesagte in die Irre führt und man beobachten muss, was Menschen tun.
  • Dem Teilnehmer helfen, wenn er nicht weiterkommt. Das verfälscht das Ergebnis.
  • Den Test ans Ende schieben, wenn strukturelle Probleme nur noch mit einem Umbau zu beheben sind.
  • Usability nach einer heuristischen Prüfung ohne Nutzer für geprüft halten.
  • Annehmen, eine gut bedienbare Website sei auch barrierefrei: Das W3C weist darauf hin, dass die Usability-Praxis Menschen mit Behinderungen oft nicht berücksichtigt.
Manuel Riveiro Rodriguez CEO & Digital Strategist

Eine technische Prüfung sieht sich das und alles Weitere in einem Durchgang an.

Audit anfragen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Usability und UX?

Usability ist ein Qualitätsmerkmal der Oberfläche: ob sie leicht zu lernen, effizient und angenehm ist. User Experience ist weiter gefasst und umfasst die gesamte Interaktion mit dem Unternehmen, seinen Diensten und Produkten. Don Norman und Jakob Nielsen nennen ein Beispiel: Eine Filmseite mit perfekter Suche bietet trotzdem eine schlechte Erfahrung, wenn ihre Datenbank den gesuchten Film nicht enthält.

Wie viele Nutzer braucht ein Usability-Test?

Für einen qualitativen Test mit einer einzigen Nutzergruppe empfiehlt NN/g fünf, weil sie die meisten häufigen Probleme finden. Für einen quantitativen Test mit Kennzahlen braucht es mehr: NN/g verweist auf 20.

Was sind die Heuristiken nach Nielsen?

Es sind zehn allgemeine Prinzipien für Interaktionsdesign, die Jakob Nielsen 1994 veröffentlicht hat und die NN/g zuletzt im Januar 2024 überarbeitet hat. Mit ihnen prüft eine Fachperson eine Oberfläche. Nielsen nennt sie Faustregeln, keine konkreten Richtlinien.

Sind Usability und Barrierefreiheit dasselbe?

Nein, auch wenn sie sich überschneiden. Barrierefreiheit stellt sicher, dass Menschen mit Behinderungen das Web gleichberechtigt wahrnehmen, verstehen, darin navigieren und damit interagieren können. Laut W3C verbessern viele Anforderungen der Barrierefreiheit die Usability für alle, die Usability-Praxis berücksichtigt die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen aber oft nicht.

Gibt es eine Norm für Usability?

Ja, die ISO 9241-11 in der Ausgabe von 2018, bestätigt 2023. Sie definiert Usability über Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit für bestimmte Nutzer, Ziele und Nutzungskontexte. Bewertungsmethoden beschreibt sie nicht.

Quellen

  1. Nielsen Norman Group, Jakob Nielsen, „Usability 101: Introduction to Usability“, 3. Januar 2012, überprüft am 15. Juli 2026 (englisch). Quelle für die Definition, die fünf Kriterien, die Nützlichkeit, den Nutzertest, die Fokusgruppen und den Zeitpunkt des Tests.
  2. Nielsen Norman Group, Jakob Nielsen, „Why You Only Need to Test with 5 Users“, 18. März 2000 (englisch). Quelle für die 31 % je Nutzer, die 85 % mit fünf Nutzern, die drei Studien mit je fünf und den Verweis auf 20 Nutzer bei quantitativen Studien.
  3. Nielsen Norman Group, Kate Moran, „Usability (User) Testing 101“, 1. Dezember 2019, überprüft am 15. Juli 2026 (englisch). Quelle für qualitativen und quantitativen Test, die Kennzahlen, die fünf Teilnehmer und das laute Denken.
  4. Nielsen Norman Group, Jakob Nielsen, „10 Usability Heuristics for User Interface Design“, 24. April 1994, überprüft am 30. Januar 2024 (englisch). Quelle für die zehn Heuristiken und ihren Charakter als Faustregeln.
  5. Nielsen Norman Group, Don Norman und Jakob Nielsen, „The Definition of User Experience (UX)“, 8. August 1998 (englisch). Quelle für den Unterschied zwischen UX, Oberfläche und Usability und das Beispiel der Filmseite.
  6. ISO, „ISO 9241-11:2018 Ergonomics of human-system interaction, Part 11: Usability: Definitions and concepts“, Ausgabe 2, März 2018, bestätigt 2023 (englisch). Quelle für die gültige Ausgabe, Usability als Ergebnis der Nutzung und dafür, dass die Norm keine Methoden beschreibt.
  7. W3C Web Accessibility Initiative, „Accessibility, Usability, and Inclusion“, veröffentlicht im März 2010, aktualisiert am 6. Mai 2016 (englisch). Quelle für die Definition der ISO 9241-11, wie das W3C sie zitiert, und für das Verhältnis von Usability und Barrierefreiheit.