Grundlagen: Merkmalsklassen, Struktur
ETIM ordnet technische Produkte in zwei Ebenen. Ganz oben stehen Produktgruppen, eine reine Verwaltungsebene zur Übersicht. Darunter liegt die eigentliche Arbeitsebene: die Produktklasse. Eine Produktklasse fasst vergleichbare Produkte unterschiedlicher Hersteller unter einer Definition zusammen, etwa "Steckdose" oder "Leitungsschutzschalter". Jede Steckdose jedes Herstellers landet, unabhängig von Marke oder Modellbezeichnung, in derselben Klasse.
Jede Produktklasse trägt einen festen Satz an Merkmalen, den technischen Eigenschaften, mit denen Produkte innerhalb dieser Klasse einheitlich beschrieben werden. ETIM unterscheidet vier Merkmalstypen. Alphanumerische Merkmale (A) übernehmen einen Wert aus einer vorgegebenen Liste, etwa eine Farbe oder eine Montageart. Numerische Merkmale (N) bestehen aus einem einzelnen Zahlenwert, etwa der Nennspannung. Logische Merkmale (L) beantworten eine Ja/Nein-Frage, etwa ob ein Klappdeckel vorhanden ist. Bereichsmerkmale (R) geben zwei Zahlenwerte an, die eine Spanne begrenzen, etwa einen zulässigen Betriebstemperaturbereich. Numerische und Bereichsmerkmale benötigen fast immer eine Einheit, die einzige Ausnahme sind reine Zählmerkmale wie "Anzahl von...".
Ein vereinfachtes Beispiel macht das Prinzip greifbar. Eine Unterputz-Steckdose könnte in ihrer Produktklasse mit Merkmalen wie Nennspannung (numerisch, Einheit V), Nennstrom (numerisch, Einheit A), Schutzart nach IP-Code (alphanumerisch, aus einer definierten Werteliste), Anzahl der Steckplätze (numerisch) und Klappdeckel vorhanden (logisch) beschrieben sein. Ein Hersteller trägt für sein konkretes Modell bei jedem dieser Merkmale den passenden Wert ein, ein anderer Hersteller füllt dieselben Merkmale für sein eigenes Modell. Das ist eine didaktische Vereinfachung, keine wörtliche Wiedergabe der aktuell gültigen ETIM-Klassendefinition, die im Online-Werkzeug ETIM Viewer gepflegt wird und sich mit jedem Release ändern kann.
Jede Klasse, jedes Merkmal, jeder Wert und jede Einheit trägt eine sprachunabhängige Kennung. Nur die Beschreibungen dazu sind sprachabhängig. Deshalb kann ein deutscher Großhändler mit einem spanischen Installateur denselben Datensatz austauschen, ohne dass Bedeutung verloren geht, auch wenn die Feldbezeichnungen in den jeweiligen Systemen in unterschiedlichen Sprachen erscheinen. Diese Sprachunabhängigkeit ist einer der Hauptgründe, warum sich ETIM über die Niederlande hinaus international durchsetzen konnte.
Zusätzlich pflegt ETIM International zu jeder Klasse Synonyme: alternative Bezeichnungen, unter denen dieselbe Produktklasse in unterschiedlichen Ländern oder Sektoren geläufig ist. Ein Großhändler, der in seinem eigenen Sortiment eine abweichende, aber gebräuchliche Produktbezeichnung verwendet, findet über diese Synonyme trotzdem die passende Klasse, ohne die Struktur selbst zu ändern.
ETIM ordnet technische Produkte in zwei Ebenen. Gearbeitet wird nur auf der unteren.
Jede Produktklasse trägt einen festen Satz an Merkmalen. ETIM unterscheidet vier Typen:
