Was eine Landing Page von einer normalen Seite unterscheidet
Die Verwirrung beginnt schon in der Alltagssprache des Marketings: Dort heißt jede Seite, auf der ein Besucher "landet", ganz gleich woher er kommt, Landing Page. Nach dieser lockeren Definition wäre die Startseite eines Shops, ein Blogartikel oder eine Produktseite eine Landing Page, nur weil sie Traffic aus einer Anzeige oder einer Suche bekommt. Diese Definition hilft bei Designentscheidungen nicht weiter.
Die brauchbare Definition ist enger und erfüllt drei Bedingungen gleichzeitig: Eine echte Landing Page hat ein einziges Conversion-Ziel (kaufen, E-Mail-Adresse hinterlassen, Demo buchen), bietet keine relevanten Alternativrouten, die vom Ziel ablenken, und entfernt oder reduziert deshalb die Hauptnavigation der Seite drastisch. Unbounce, eine der bekanntesten Plattformen für den Bau von Landing Pages, nennt das "Attention Ratio": das Verhältnis zwischen der Zahl klickbarer Links auf der Seite und der Zahl der Conversion-Ziele. Das ideale Verhältnis liegt bei 1:1, also genau eine mögliche Handlung, geprüft laut unbounce.com/conversion-rate-optimization/attention-ratio/.
Eine normale Seite der Website, selbst wenn sie in einem Meeting "Landing Page" genannt wird und Suchtraffic bekommt, erfüllt diese drei Bedingungen nicht. Sie behält das vollständige Navigationsmenü, verlinkt zu anderen Bereichen, hat einen Footer mit Dutzenden Ausstiegslinks und bietet fast immer mehrere mögliche Handlungen: kaufen, Newsletter abonnieren, ein anderes Produkt ansehen, einen weiteren Artikel lesen. Ihre Hauptfunktion ist nicht, eine einzige Conversion zu erzwingen, sondern zu informieren, in Suchmaschinen zu ranken und dem Besucher freie Navigation zu lassen.
Keines der beiden Formate ist dem anderen überlegen, es sind unterschiedliche Werkzeuge. Der Fehler liegt nicht darin, normale Seiten zu haben, die auch konvertieren, sondern darin, jede Seite pauschal Landing Page zu nennen und ihr dann automatisch die Regeln einer Kampagnen-Landingpage aufzuzwingen, etwa einer Kategorieseite, die in Google ranken muss, die Navigation zu entziehen, was meist sowohl SEO als auch Nutzerführung verschlechtert.
