Zum Inhalt springen

Glossar Retargeting

Was ist Retargeting?

  • PPC / Ads / CRO
Definition

Retargeting ist eine Werbetechnik, die Nutzern erneut Anzeigen zeigt, nachdem sie eine Website bereits besucht oder dort eine bestimmte Aktion ausgeführt haben, ohne zu konvertieren.

Eine trockene Klette, in grobem Wollstoff verhakt, als Makro — daneben der Titel Retargeting
Die Klette hakt sich wieder in dieselbe Wolle
Auf dieser Seite 6
  1. Was ist Retargeting?
  2. Retargeting im Vergleich zu Remarketing
  3. Wie es funktioniert
  4. Warum es wichtig ist
  5. Best Practices
  6. Häufige Fehler
Kurz gefasst

Wie die Branche Retargeting von Remarketing abgrenzt, was Chromes Kurswechsel bei Cookies für diese Technik konkret bedeutet, und welche Alternativen greifen, wenn der Browser blockiert.

Eine trockene Klette, in grobem Wollstoff verhakt, als Makro — daneben der Titel Retargeting
Die Klette hakt sich wieder in dieselbe Wolle

Was ist Retargeting?

Retargeting zeigt Anzeigen jemandem, der eine Website schon besucht, eine Produktseite geöffnet oder einen Warenkorb ohne Kauf verlassen hat, statt ein komplett neues Publikum anzusprechen. Die Logik dahinter ist einfach: Diese Person hat bereits Interesse gezeigt, sie zurückzuholen kostet meist weniger als jemanden zu gewinnen, der die Marke noch nie gesehen hat.

Technisch stützt sich die Kampagne auf eine Kennung, die beim Website-Besuch registriert wird. Diese Registrierung hängt meist an einem Cookie oder einem Tracking-Pixel im Sitecode, die dem Werbenetzwerk melden, wer da war und was diese Person getan hat. Mit dieser Liste entscheidet die Plattform, wem sie die Anzeige beim nächsten Besuch einer anderen Seite im selben Netzwerk erneut zeigt.

Der Begriff wird oft synonym mit Remarketing verwendet, auch wenn nicht jeder dieser Gleichsetzung zustimmt. Google Ads selbst spricht inzwischen lieber von „deine Daten" oder Remarketing-Listen innerhalb der eigenen Plattform, während ein großer Teil der Branche weiterhin Retargeting sagt, wenn es um Display-Anzeigen für frühere Besucher geht.

Retargeting im Vergleich zu Remarketing

AspektRetargetingRemarketing
Üblicher KanalDisplay-Anzeigen in WerbenetzwerkenE-Mail, Push-Benachrichtigungen, teils auch bezahlte Anzeigen
ZielgruppeBesucher, die noch keine Kunden sindBestehende Kunden oder Kontakte aus der eigenen Datenbank
Genutzte DatenbasisCookie oder Tracking-Pixel auf der WebsiteEigene Kontaktliste (First-Party-Daten)

In der Praxis werden beide Begriffe fast durchgängig synonym benutzt, selbst Google Ads führt sie unter dem Namen Remarketing-Listen innerhalb der eigenen Display-Werbeplattform zusammen. Die Unterscheidung wiegt in der Marketing-Theorie schwerer als im alltäglichen Sprachgebrauch der Branche.

Wie es funktioniert

Die technische Grundlage ist nicht exklusiv für Retargeting: Sie stützt sich auf denselben Tracking-Pixel oder dasselbe Cookie, die auch jede andere Kampagne messen. Beim Aufruf einer Seite hinterlässt dieser Code eine Kennung, die das Werbenetzwerk mit dem Besuch, der angesehenen Produktseite oder dem abgebrochenen Warenkorb verknüpft. Darauf aufbauend erstellt die Plattform eine Liste und entscheidet, auf welchen anderen Seiten innerhalb ihres Netzwerks sie derselben Person die Anzeige erneut zeigt. Beim sogenannten dynamischen Retargeting geht die Kennung noch einen Schritt weiter und merkt sich genau, welches Produkt jemand angesehen hat, sodass die spätere Anzeige exakt dieses Produkt zeigt statt eines generischen Werbemotivs.

Hier kommt Chromes Kurswechsel bei Third-Party-Cookies ins Spiel. Google bestätigte im April 2025, dass Chrome sie beibehält, und stellte im Oktober 2025 die meisten Privacy-Sandbox-APIs ein, die als Ersatz gedacht waren, weil die Werbebranche sie kaum adoptierte. Das bedeutet: Klassisches, Cookie-basiertes Retargeting funktioniert in Chrome weiterhin, ohne die Blockade, die jahrelang angekündigt war.

Diese Kontinuität gilt aber nicht für jeden Browser. Safari blockiert Third-Party-Cookies seit 2020 standardmäßig per Intelligent Tracking Prevention, Firefox macht dasselbe seit 2019 per Enhanced Tracking Protection. Für eine Retargeting-Kampagne heißt das: Der Traffic, der mit Safari oder Firefox surft, bleibt von Anfang an außer Reichweite, unabhängig davon, was Chrome entscheidet.

Warum es wichtig ist

In der EU braucht ein Retargeting-Cookie die ausdrückliche Einwilligung des Nutzers, weil es nicht zwingend nötig ist, damit die Seite funktioniert. Diese Zustimmung wird über denselben Banner eingeholt, der auch die übrigen nicht essenziellen Cookies abdeckt, und ohne sie darf die Kampagne die Kennung weder setzen noch auslesen.

Deshalb wächst das Interesse an Alternativen, die nicht von einem Third-Party-Cookie abhängen. Retargeting auf Basis eigener Daten lädt eine bereits mit Einwilligung gesammelte Kunden- oder Abonnentenliste direkt in die Werbeplattform hoch. Targeting nach Kontext, das den Anzeigenplatz nach dem Seiteninhalt statt nach der Identität des Besuchers wählt, funktioniert dagegen völlig unabhängig vom Browser.

Eine praktische Grenze, die man von Anfang an setzen sollte, ist Frequency Capping: wie oft dieselbe Person dieselbe Anzeige höchstens innerhalb eines bestimmten Zeitraums sieht. Ohne diese Obergrenze kippt die Kampagne in Ad Fatigue, der Nutzer beginnt die Anzeige zu ignorieren oder ärgert sich über die Marke, und die tatsächliche CTR der Kampagne sinkt, statt zu steigen.

Best Practices

  • Setze in der Werbeplattform ein festes Frequency Capping; ohne diese Grenze sieht dieselbe Person die Anzeige sonst binnen weniger Tage dutzende Male.
  • Segmentiere die Retargeting-Listen nach der tatsächlichen Aktion, wer nur eine Produktseite angesehen hat, unterscheidet sich von wer den Warenkorb ohne Kauf verlassen hat.
  • Schließe bereits konvertierte Nutzer aus der Liste aus, statt Budget für eine Anzeige zu verbrennen, die ein gewonnener Kunde gar nicht mehr braucht.
  • Kombiniere Cookie-basiertes Retargeting mit einer eigenen, in die Plattform hochgeladenen Kontaktliste, damit ein Teil der Kampagne nicht vom Browser der Besucher abhängt.
  • Verknüpfe das Setzen der Kennung technisch mit dem Einwilligungs-Banner, damit kein Besuch registriert wird, bevor der Nutzer zugestimmt hat.
  • Teste kontextbasiertes Targeting parallel, vor allem für Traffic aus Safari und Firefox, wo klassisches Retargeting von Beginn an eingeschränkte Reichweite hat.

Häufige Fehler

  • Dieselbe Anzeige ohne Frequenzlimit ausspielen, bis der Nutzer sie eher mit Belästigung als mit der Marke verbindet.
  • Davon ausgehen, Retargeting erreiche die gesamte Zielgruppe gleichermaßen, obwohl Safari und Firefox Third-Party-Cookies seit 2020 beziehungsweise 2019 blockieren.
  • Das Retargeting-Cookie oder den Tracking-Pixel laden, bevor der Nutzer seine Einwilligung gegeben hat.
  • Konvertierte Nutzer weiterhin mit der Anzeige ansprechen, weil die Ausschlussliste nicht rechtzeitig aktualisiert wurde.
  • Retargeting und Remarketing als in jedem Kontext identische Technik behandeln, obwohl manche Plattformen und Quellen sie nach Kanal und Zielgruppe unterscheiden.
Manuel Riveiro Rodriguez CEO & Digital Strategist

Eine technische Prüfung sieht sich das und alles Weitere in einem Durchgang an.

Audit anfragen

Häufige Fragen

Sind Retargeting und Remarketing dasselbe?

In der Praxis benutzt die Branche beide Begriffe größtenteils synonym, und auch Google Ads führt sie unter dem Namen Remarketing-Listen zusammen. Manche Quellen unterscheiden trotzdem nach Kanal: Retargeting eher für Display-Anzeigen in Werbenetzwerken, Remarketing eher für die Reaktivierung bestehender Kunden über E-Mail oder andere direkte Kanäle.

Funktioniert Cookie-basiertes Retargeting 2026 noch in Chrome?

Ja. Google bestätigte im April 2025, Third-Party-Cookies in Chrome beizubehalten, und stellte im Oktober 2025 die meisten Privacy-Sandbox-APIs ein, die als Ersatz gedacht waren. Klassisches Cookie-basiertes Retargeting funktioniert in Chrome weiterhin, auch wenn Safari und Firefox es seit 2020 beziehungsweise 2019 standardmäßig blockieren.

Brauche ich Einwilligung für eine Retargeting-Kampagne?

Ja, sobald die Kampagne ein Cookie oder eine Kennung nutzt, die nicht zwingend für den Betrieb der Seite nötig ist. Europäisches Recht verlangt die vorherige Einwilligung des Nutzers, bevor ein solches Cookie gesetzt wird, dieselbe Rechtsgrundlage, die für jedes nicht essenzielle Werbe- oder Analytics-Cookie gilt.

Was tue ich, wenn meine Zielgruppe viel Safari oder Firefox nutzt?

Cookie-basiertes Retargeting erreicht diesen Traffic von Anfang an nur eingeschränkt, weil beide Browser Third-Party-Cookies standardmäßig blockieren. Sinnvoll ist, die Kampagne um Retargeting auf Basis eigener, mit Einwilligung gesammelter Kontaktdaten zu ergänzen oder auf kontextbasiertes Targeting zu setzen, das ganz ohne Cookie auskommt.

Was ist Frequency Capping, und warum ist es wichtig?

Es legt fest, wie oft dieselbe Person höchstens innerhalb eines bestimmten Zeitraums dieselbe Anzeige sieht. Ohne diese Grenze entsteht Ad Fatigue: Der Nutzer beginnt die Anzeige zu ignorieren oder ärgert sich über die Marke, und die tatsächliche Klickrate der Kampagne sinkt am Ende, statt zu steigen.

Quellen

  1. Google Ads-Hilfe, „Informationen zu deinen Datensegmenten (Remarketing)": offizielle Google-Ads-Seite, die erklärt, wie Remarketing-Listen funktionieren, die technische Basis jeder darauf aufgebauten Retargeting-Kampagne.
  2. Search Engine Journal, „Remarketing Vs. Retargeting: Are They The Same Thing?": analysiert die Unterscheidung beider Begriffe nach Kanal und Zielgruppe, Grundlage des Vergleichsabschnitts in diesem Artikel. Aktualisiert am 02.08.2024.
  3. Google Privacy Sandbox, „Update on Plans for Privacy Sandbox Technologies": bestätigt, dass Chrome Third-Party-Cookies beibehält und die meisten Privacy-Sandbox-Technologien einstellt, die als Ersatz geplant waren. Veröffentlicht am 17.10.2025.