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Glossar Remarketing

Remarketing: Definition, Funktionsweise und Typen

Definition

Remarketing ist eine Werbetechnik, die Anzeigen gezielt Personen zeigt, die eine Website bereits besucht oder mit einer Marke interagiert haben. Ziel ist es, sie zurückzuholen und zu einer Aktion zu bewegen, die sie angefangen, aber nicht abgeschlossen haben, etwa einen Kauf oder eine Anmeldung.

Eine hölzerne Handhaspel mit aufgewickelter Schnur, das Ende lose zum Wasser — daneben der Titel Remarketing
Die Schnur ist noch dran — man holt sie ein, und es kommt zurück
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  1. Wie es technisch funktioniert: Pixel, Cookie und Kundenlisten
  2. Segmentierungs-Typen mit Beispielen
  3. Was der Datenschutz vorschreibt
  4. Best Practices
  5. Häufige Fehler
Kurz gefasst

Remarketing stützt sich auf Daten, die ein Unternehmen bereits über einen Nutzer hat: ein Cookie, das den Besuch erfasst hat, ein Pixel, das gesehen hat, welches Produkt angeschaut wurde, oder eine Kundenliste, die in eine Werbeplattform hochgeladen wurde. Mit diesen Daten werden personalisierte Anzeigen auf anderen Websites, in sozialen Netzwerken oder in Suchmaschinen ausgespielt. In der Praxis wird der Begriff fast synonym zu Retargeting verwendet, auch wenn einzelne Plattformen eigene Nuancen setzen. Die eigentliche Schwachstelle liegt nicht im Konzept, sondern in der Umsetzung: Ohne saubere Segmentierung und ohne Beachtung des Datenschutzes wird aus einer sinnvollen Erinnerung schnell eine nervige Anzeige.

Eine hölzerne Handhaspel mit aufgewickelter Schnur, das Ende lose zum Wasser — daneben der Titel Remarketing
Die Schnur ist noch dran — man holt sie ein, und es kommt zurück

Segmentierungs-Typen mit Beispielen

Nicht jede Remarketing-Zielgruppe ist gleich viel wert. Alle in eine Kampagne zu packen, liefert meist schlechtere Ergebnisse als eine Trennung nach Kaufabsicht.

Allgemeine Website-Besucher. Die breiteste Gruppe: jeder, der in den letzten Tagen oder Wochen auf der Website war, ohne Filterung nach Verhalten. Gut, um an die Marke zu erinnern, aber mit niedrigerer Conversion-Rate als engere Segmente.

Warenkorbabbrecher. Nutzer, die ein Produkt in den Warenkorb gelegt, aber nicht bezahlt haben. Eines der Segmente mit dem besten Ertrag, weil die Kaufabsicht bereits klar erkennbar war: Eine Anzeige mit genau diesem Produkt, manchmal ergänzt um einen Anreiz wie kostenlosen Versand, reicht oft, um den Kauf abzuschließen.

Besucher von Produktseiten ohne Conversion. Jemand, der mehrere Produktseiten oder Kategorien angesehen hat, ohne etwas in den Warenkorb zu legen. Ihm lässt sich dynamische Werbung mit genau den Produkten zeigen, die er sich angesehen hat.

Bestandskunden. Personen, die bereits gekauft haben, segmentiert für Cross-Selling oder Up-Selling: ein ergänzendes Produkt oder eine höherwertige Variante anbieten. Als Quelle dient hier meist die direkt hochgeladene Kundenliste, kein Browsing-Cookie.

Segmentierung nach Land oder Sprache. Relevant für Unternehmen, die in mehreren Märkten verkaufen: Dieselbe Remarketing-Kampagne muss die Anzeigensprache anpassen, teilweise auch Angebot oder Währung, je nachdem, aus welchem Land der Nutzer die Website besucht hat.

Inaktive Abonnenten. Nutzer, die sich für einen Newsletter angemeldet oder ein Konto erstellt, aber danach nicht mehr interagiert haben. Remarketing hilft, sie zu reaktivieren, bevor sie endgültig verloren sind.

Kunden mit hohem Wert. Kunden mit einer Kaufhistorie oder einem durchschnittlichen Bestellwert über dem Schnitt, die eine andere Ansprache verdienen: frühen Zugang zu neuen Produkten, ein Treueprogramm oder schlicht weniger Werbedruck, weil das Ziel nicht mehr der Erstkauf ist, sondern der Wiederkauf.

Jedes Segment braucht eine eigene Botschaft: Ein Warenkorbabbrecher reagiert anders auf eine generische Markenanzeige als auf eine mit genau dem Produkt, das liegen geblieben ist. Diese Arbeit an der Segmentierung entscheidet, ob eine Remarketing-Kampagne Umsatz bringt oder nur Budget verbrennt.

Was der Datenschutz vorschreibt

Remarketing setzt voraus, einen konkreten Nutzer zu identifizieren, und fällt damit direkt unter die DSGVO und die Cookie-Vorgaben (ePrivacy) in der Europäischen Union. Das ist kein optionales Detail: Ein Remarketing-Pixel oder Tracking-Cookie ohne vorherige Einwilligung des Nutzers zu setzen, ist ein Verstoß, den Datenschutzbehörden in den vergangenen Jahren wiederholt und aktiv geahndet haben. Betroffen ist dabei nicht nur das klassische Cookie, sondern jede Form von pixelbasiertem oder serverseitig übertragenem Tracking, sobald sich die Daten einer identifizierbaren Person zuordnen lassen.

In der Praxis heißt das: Das Pixel oder Cookie für Remarketing darf erst aktiv werden, nachdem der Nutzer diese konkrete Kategorie im Consent-Banner bestätigt hat, nie vorher und nie standardmäßig. Die meisten Consent-Management-Plattformen erlauben genau diese Unterscheidung nach Cookie-Kategorie, getrennt von technisch notwendigen Cookies.

Zusätzlich muss die Datenschutzerklärung klar benennen, welche Daten erhoben werden, zu welchem Zweck und wie lange sie gespeichert bleiben, und dem Nutzer eine einfache Möglichkeit geben, die Einwilligung jederzeit zu widerrufen. Diese Zusammenfassung ersetzt keine rechtliche Prüfung: Jede Remarketing-Umsetzung sollte mit der für Datenschutz zuständigen Stelle im Unternehmen abgestimmt werden, besonders wenn mehrere Datenquellen wie Cookies und Kundenlisten kombiniert werden.

Seit 2024 verlangt Google zusätzlich Consent Mode v2, um im Europäischen Wirtschaftsraum weiterhin Remarketing-Zielgruppen auf der eigenen Plattform aufbauen zu können: Ohne korrekt implementiertes Einwilligungssignal baut Google Ads diese Zielgruppen nicht mehr auf, selbst wenn das Pixel noch auf der Website eingebunden ist. Meta Ads verlangt für seine Remarketing-Kampagnen in der EU ein vergleichbares Signal: Ohne gültige Einwilligung über das eigene Consent-Management erhält die Plattform keine Events mehr, um diese Zielgruppen aufzubauen.

Best Practices

Gut umgesetztes Remarketing zeigt sich im Ergebnis, nicht nur in der Anzahl der Ausspielungen. Einige Punkte machen den Unterschied:

  • Nach Kaufabsicht segmentieren, nicht nur nach Besuch: Ein Warenkorbabbrecher und ein gelegentlicher Besucher sollten nicht dieselbe Anzeige sehen.
  • Ein Frequency Cap setzen, damit dieselbe Anzeige nicht dutzendfach bei derselben Person erscheint.
  • Wer bereits konvertiert hat, ausschließen, um kein Budget für jemanden auszugeben, der das beworbene Produkt schon gekauft hat.
  • Das Creative alle paar Wochen erneuern; eine Anzeige, die der Nutzer schon zehnmal gesehen hat, erzeugt kaum noch Klicks.
  • Das Zeitfenster der Zielgruppe an den Kaufzyklus anpassen: wenige Tage für ein Impulsprodukt, Wochen oder Monate für eine längere Entscheidung.
  • Die Leistung je Segment messen, nicht nur global, um zu erkennen, welche Zielgruppe wirklich Umsatz bringt und welche nur Kosten verursacht.

Häufige Fehler

Die häufigsten Fehler sind selten technischer Natur, sondern liegen in der Konfiguration und im fehlenden Augenmaß:

  • Kein Frequency Cap: Dieselbe Person sieht die Anzeige fünfzehnmal in zwei Tagen und verbindet sie mit aufdringlicher Werbung statt mit der Marke.
  • Das Pixel schon vor der Einwilligung des Nutzers aktivieren, was neben dem rechtlichen Problem auch unzuverlässige Zielgruppendaten erzeugt.
  • Käufer weiter mit derselben Anzeige des gerade gekauften Produkts verfolgen.
  • Eine einzige generische Zielgruppe für den gesamten Traffic nutzen, statt nach Verhalten zu trennen.
  • Remarketing-Kampagnen unbegrenzt laufen lassen, ohne Leistung zu prüfen oder Anzeigen zu erneuern.
  • Das Ende der Drittanbieter-Cookies ignorieren und keine Strategie auf Basis eigener (First-Party-)Daten vorbereiten.
  • Die Liste vor dem großen Kampagnenstart nicht testen; es lohnt sich, mit einem kleinen Budget zu prüfen, ob die Zielgruppe korrekt aufgebaut wurde und die Anzeige dort erscheint, wo sie soll.
Manuel Riveiro Rodriguez CEO & Digital Strategist

Eine technische Prüfung sieht sich das und alles Weitere in einem Durchgang an.

Audit anfragen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Remarketing und Retargeting?

In der Praxis kaum einer: Die meisten Fachleute und Plattformen verwenden beide Begriffe synonym, um Anzeigen für Nutzer zu beschreiben, die eine Website bereits besucht haben. Wo doch unterschieden wird, steht "Retargeting" meist für cookiebasierte Display-Anzeigen und "Remarketing" für Aktionen auf eigenen Kontaktlisten, etwa per E-Mail oder gezielt an Bestandskunden.

Brauche ich viel Traffic, um Remarketing zu nutzen?

Zwingend nötig ist das nicht, aber es gibt eine praktische Untergrenze: Die meisten Plattformen verlangen eine Mindestanzahl an Nutzern in der Zielgruppe, bevor Anzeigen ausgespielt werden. Bei sehr niedrigem Traffic lohnt es sich, erst Zielgruppengröße aufzubauen oder mehrere Datenquellen zu kombinieren, um die Mindestgrenze zu erreichen.

Funktioniert Remarketing auch ohne Drittanbieter-Cookies?

Ja, auch wenn sich die Umsetzung ändert. Website-eigene Cookies, das Plattform-Pixel und direkt hochgeladene Kundenlisten kommen ohne Drittanbieter-Cookies aus und funktionieren daher trotz der Einschränkungen, die Chrome und andere Browser für diese Cookie-Art einführen.

Was kostet eine Remarketing-Kampagne?

Das hängt von Plattform, Branche und Wettbewerb um die jeweilige Zielgruppe ab, ist aber meist günstiger als die Neukundengewinnung, weil die Anzeigen ein Publikum erreichen, das bereits Interesse gezeigt hat und in der Regel besser konvertiert.

Auf welchen Plattformen lässt sich Remarketing umsetzen?

Auf den großen Werbenetzwerken: Google Ads (Display- und Suchnetzwerk), Meta Ads (Facebook und Instagram), LinkedIn Ads, und zusätzlich per E-Mail-Marketing an konkrete Segmente der Kontaktliste.

Wie lange sollte eine Remarketing-Liste aktiv bleiben?

Das richtet sich nach dem Kaufzyklus des Produkts: wenige Tage bei Impulsartikeln, etwa 30 bis 90 Tage bei Produkten mit mittlerer Überlegungszeit, und mehrere Monate bei großen, seltenen Anschaffungen wie einem Auto oder einer Reise. Die meisten Plattformen erlauben, diesen Aufbewahrungszeitraum beim Anlegen der Zielgruppe direkt festzulegen.

Lässt sich Remarketing mit Lookalike-Zielgruppen kombinieren?

Ja, das ist eine gängige Erweiterung: Aus einer gut performenden Remarketing-Liste, etwa kürzlichen Käufern, können Plattformen wie Meta Ads oder Google Ads eine ähnliche Zielgruppe aus neuen Nutzern mit vergleichbarem Profil erstellen. Streng genommen ist das kein Remarketing mehr, weil diese Personen die Website nie besucht haben, aber die Zielgruppe entsteht direkt aus den Daten, die das Remarketing geliefert hat.