Was TAM, SAM und SOM bedeuten
Es sind englische Abkürzungen, und die Quellen lösen sie nicht einheitlich auf:
- TAM steht für Total Addressable Market oder Total Available Market. Die spanische Oficina Nacional de Emprendimiento beschreibt ihn als den verfügbaren Markt, wenn man 100 % erreichen würde.
- SAM steht für Serviceable Available Market oder Serviceable Addressable Market. Das ist der Teil des TAM, den Produkt und Vertrieb des Unternehmens erreichen, und die Segmentierung hilft, ihn abzugrenzen.
- SOM steht für Serviceable Obtainable Market, das Controller Institut nennt auch Share of Market. Salesforce definiert ihn als das, was sich in einem Zeitraum realistisch gewinnen lässt. Antler beschreibt ihn als das, was bereits bedient wird.
Dieser letzte Unterschied verändert die Zahl: Im einen Fall ist es eine Prognose, im anderen eine Zählung des Bestehenden. Sag also dazu, welche du meinst. Dieses Glossar nimmt die Fassung von Salesforce und drückt alle drei in Jahresumsatz aus, wie Carta und HubSpot. Wer die Abkürzungen geprägt hat, ließ sich nicht finden, und hier wird kein Ursprung festgelegt.
Der TAM ist auch nicht das Marktvolumen. Laut Researchly ist das Volumen das, was heute gekauft wird, und der TAM das, was gekauft würde, wenn niemand konkurrierte. Deshalb kannst du die Umsatzzahl aus einem Branchenbericht nicht ohne Hinweis als TAM übernehmen.
Der Irrtum: Der TAM sei eine Zahl, die man nachschlägt. Er ist eine Multiplikation, und beide Faktoren wählt, wer rechnet. Der Börsenprospekt, den WeWork am 14. August 2019 einreichte, zeigt das deutlich, weil er die Methode offenlegt. Er zählte 255 Millionen Personen in 280 Städten als mögliche Mitglieder, gestützt auf die Büroarbeitsplätze aus der US-Statistik und auf bestimmte Berufsgruppen in anderen Ländern, und schreibt, er nehme an, diese Personen bräuchten einen Arbeitsplatz:
- Zu den durchschnittlichen Einnahmen von WeWork je Mitglied ergab das 1,6 Billionen Dollar.
- Zu den durchschnittlichen Kosten, die Unternehmen je Beschäftigtem zahlten, rund 11.700 Dollar im Jahr, ergab das 3,0 Billionen Dollar, die der Prospekt Gesamtchance nennt.
Dieselben Personen mit einem anderen Preis, und die Zahl verdoppelt sich fast. Auch die zweite Zahl ist keine Umsatzprognose: Sie überträgt, was Unternehmen je Beschäftigtem für Büroflächen ausgaben, auf alle 255 Millionen Personen.
Auch der Markt selbst bewegt sich. Im Juni 2014 bewertete der Professor Aswath Damodaran Uber mit einem Markt von 100 Milliarden Dollar für Taxis und Fahrdienste und 10 % Anteil. Einen Monat später antwortete Bill Gurley, nach eigener Angabe Investor und Verwaltungsratsmitglied bei Uber, niedrigere Preise und neue Nutzungen würden diesen Markt vergrößern, und schlug 450 Milliarden bis 1,3 Billionen Dollar vor. Keine der beiden Zahlen ist eine Messung, jede hängt daran, was man über die Zukunft annimmt.