Was Blue Ocean bedeutet
Kim und Mauborgne veröffentlichten den Artikel „Blue Ocean Strategy“ im Oktober 2004 in der Harvard Business Review, das Buch folgte 2005. Der Kerngedanke, den sie Value Innovation nennen, stand schon in einem Artikel von 1997. Laut ihrer Website beruht er auf einer Studie zu mehr als 150 strategischen Zügen in mehr als 30 Branchen über 100 Jahre.
Red Oceans sind alle Branchen, die es heute gibt, mit bekannten Grenzen und Regeln, in denen sich Unternehmen gegenseitig Anteile abnehmen. Blue Oceans sind die Branchen, die es noch nicht gibt und in denen Nachfrage erst entsteht. Die Autoren untersuchen Züge und lassen Unternehmen und Branchen als Einheit beiseite, denn kein Unternehmen ist nach ihren Worten dauerhaft exzellent.
Zwei Lesefehler kommen bei diesem Thema vor, und beide lassen sich am Original prüfen.
Der erste ist der Glaube, du müsstest etwas erfinden. Der Artikel von 2004 sagt das Gegenteil: Blue Oceans entstehen selten aus technischer Innovation, und viel häufiger entstehen sie in einem Red Ocean, wenn ein Unternehmen die Grenzen seiner Branche erweitert.
Der zweite ist der Glaube, das Wasser bleibe blau. Die Autoren schreiben, solche Unternehmen hätten meist 10 bis 15 Jahre keinen ernsthaften Herausforderer, und ihr Hauptbeispiel war Cirque du Soleil, dessen Umsatz sich in zehn Jahren verzweiundzwanzigfacht hatte. Am 30. Juni 2020 erhielt Cirque in Kanada Gläubigerschutz, bei Verbindlichkeiten von rund 1,6 Milliarden Dollar. Die Pandemie hatte alle Shows geschlossen, und das Unternehmen war schon vorher durch Übernahmen hoch verschuldet. Im November 2020 verließ es das Verfahren durch den Verkauf an seine besicherten Kreditgeber. Das widerlegt die Methode nicht, denn die Ursache lag anderswo, zeigt aber, dass ein guter Zug nicht vor allem schützt, was danach kommt.