Zum Inhalt springen

Glossar Wertschöpfungskette

Was ist die Wertschöpfungskette?

  • Analytics
Definition

Die Wertschöpfungskette nach Michael Porter, auch Wertkette, teilt ein Unternehmen in die Tätigkeiten, mit denen es Wert für seine Kunden schafft: fünf primäre und vier unterstützende. Sie zeigt, aus welchen Tätigkeiten Kosten, Differenzierung und Marge kommen.

Auf dieser Seite 5
  1. Was die Wertschöpfungskette bedeutet
  2. Wie es funktioniert
  3. Warum es zählt
  4. Best Practices
  5. Häufige Fehler
Kurz gefasst

Porters Wertschöpfungskette teilt eine Firma in primäre und unterstützende Tätigkeiten. Woher Kosten und Marge kommen und warum sie keine Lieferkette ist.

Was die Wertschöpfungskette bedeutet

„Wertschöpfungskette“ hat im Deutschen zwei Bedeutungen. Das Gabler Wirtschaftslexikon meint damit Porters Modell der Tätigkeiten in einem Unternehmen, englisch value chain, auch Wertkette genannt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) meint damit die Abfolge aller Stufen eines Produkts über Unternehmen hinweg, vom Rohstoff über Verarbeitung, Transport und Handel bis zum Konsum. Dieser Eintrag behandelt die erste Bedeutung.

Porter hat das Modell im Buch „Competitive Advantage: Creating and Sustaining Superior Performance“ vorgestellt, das 1985 bei Free Press in New York erschien. Laut seinem Institut an der Harvard Business School zerlegt die Wertschöpfungskette ein Unternehmen in die Tätigkeiten, die für seine Strategie zählen, um die Quellen seines Wettbewerbsvorteils zu finden: die Tätigkeiten, die höhere Preise oder niedrigere Kosten ermöglichen.

Ein Lesefehler ist, die beiden Bedeutungen gleichzusetzen und Porters Kette als Lieferkette zu lesen. Der Unterschied liegt im Gegenstand. Porters Kette blickt in ein Unternehmen und enthält Tätigkeiten, die keine Ware bewegen, etwa Personalarbeit oder Technologieentwicklung. Die Lieferkette und die Kette im Sinn des BMZ folgen dem Produkt von Firma zu Firma. Auch dafür hat Porter einen Begriff: Laut dem Harvard-Institut ist die Kette eines Unternehmens Teil eines größeren Wertsystems, mit Lieferanten davor und Vertriebskanälen danach. Gabler nennt es Wertschöpfungssystem.

Wer beides gleichsetzt, prüft Einkauf, Lager und Transport und hält das für die Analyse seiner Wertschöpfungskette. Ihm fehlen drei der vier unterstützenden Tätigkeiten, dazu Marketing und Vertrieb, Kundendienst und die Frage nach der Marge.

Die primären Tätigkeiten haben mit Erstellen, Verkaufen, Liefern und Betreuen des Angebots zu tun. Gabler fasst sie so zusammen: - Eingangslogistik: annehmen, lagern und bereitstellen, was in die Leistungserstellung eingeht. - Produktion: diese Inputs in Produkte oder Dienstleistungen umwandeln. - Ausgangslogistik: das Erstellte lagern, verteilen und ausliefern. - Marketing und Vertrieb: den Markt bearbeiten, Kunden gewinnen und verkaufen. - Kundendienst: was den Wert des Angebots beim und nach dem Verkauf sichert.

Die vier unterstützenden Tätigkeiten tragen die primären: - Unternehmensinfrastruktur: Führung, Planung, Finanzen, Controlling und andere übergreifende Funktionen. - Personalwirtschaft: Personal gewinnen, entwickeln und führen. - Technologieentwicklung: Technologien, Verfahren und Wissen. - Beschaffung: der Einkauf dessen, was alle Tätigkeiten brauchen.

Die Marge schließt das Modell. Laut Gabler ist der Wert eines Angebots das, was die Abnehmer dafür zu zahlen bereit sind, und die Marge ist die Differenz zwischen diesem Wert und den Kosten aller Tätigkeiten.

Auch was keine Ware bewegt, schafft Wert.

Wie es funktioniert

Der erste Schritt ist, die Einheit zu wählen: das ganze Unternehmen, einen Geschäftsbereich oder eine andere Einheit, deren Analyse sinnvoll ist. In einem Unternehmen mit mehreren Linien kann jede Linie ihre eigene Kette haben.

Der zweite Schritt ist, jeder Tätigkeit ihre Kosten und ihren Beitrag zum Wert für den Kunden zuzuordnen. Die Tätigkeiten des Modells sind Analysekategorien, keine Abteilungen. Gabler betont das: Sie müssen nicht mit dem Organigramm übereinstimmen.

Der dritte Schritt ist der Blick auf die Verknüpfungen. Laut Gabler kann eine Änderung in einer Tätigkeit Kosten, Qualität oder Leistung anderer Tätigkeiten verändern. Ein teurer Kundendienst kann Rücksendungen billiger machen, ein billiger Lieferant die Produktion verteuern. Gabler gibt diesen Verknüpfungen ein eigenes Gewicht, neben dem jeder einzelnen Tätigkeit.

Der vierte Schritt ist der Vergleich mit Wettbewerbern: In welchen Tätigkeiten ist dein Unternehmen günstiger, oder wo macht es etwas anders? Dort liegt laut Porters Institut der Wettbewerbsvorteil. Das Institut sagt es so: Best Practices einzubauen ist nötig, aber Dinge gut zu machen ist etwas anderes, als sie anders zu machen.

Gabler weist darauf hin, dass bei Dienstleistungs-, Wissens- oder Netzwerkunternehmen die klassischen Tätigkeiten an die Art angepasst werden müssen, wie dieses Unternehmen Wert schafft.

Warum es zählt

Die Wertschöpfungskette holt die Strategie auf die Ebene der Tätigkeiten. „Wir sind effizienter“ lässt sich nicht prüfen. „Unsere Ausgangslogistik kostet je Bestellung weniger als die des Wettbewerbers“ schon. Deshalb hilft das Modell bei der Entscheidung, was du selbst machst, was du auslagerst und wo du investierst.

Mit anderen Werkzeugen teilt sich die Arbeit. Das Benchmarking vergleicht bestimmte Prozesse mit anderen Unternehmen, und die Wertschöpfungskette sagt, welche Prozesse sich zu vergleichen lohnen. Die Entscheidungen im Marketing-Mix bilden eine der fünf primären Tätigkeiten, Marketing und Vertrieb, und hängen von den anderen ab: Ein niedriger Preis braucht eine günstige Logistik. Die BCG-Matrix ordnet die Einheiten eines Portfolios, die Wertschöpfungskette blickt in jede einzelne.

Porters Five Forces erklären, wie viel Gewinn eine Branche lässt. Die Wertschöpfungskette erklärt die andere Hälfte, die Position des Unternehmens in dieser Branche. Im Business Model Canvas sind die Schlüsselaktivitäten und -ressourcen die Stelle, an der die Wertschöpfungskette ins Detail geht.

Best Practices

  • Die Analyseeinheit vor dem Start wählen und neben die Kette schreiben.
  • Kosten den Tätigkeiten des Modells zuordnen, nicht den Abteilungen im Organigramm.
  • Die vier unterstützenden Tätigkeiten aufnehmen, auch wenn sie kein Produkt bewegen.
  • Die Verknüpfungen zwischen Tätigkeiten suchen, nicht nur die Kosten jeder einzelnen.
  • Jede wichtige Tätigkeit mit der der Wettbewerber vergleichen.
  • Die Tätigkeiten anpassen, wenn das Unternehmen Dienstleistungen oder Wissen verkauft.

Häufige Fehler

  • Porters Wertschöpfungskette mit der Lieferkette verwechseln.
  • Nur Einkauf, Produktion und Transport prüfen und die unterstützenden Tätigkeiten vergessen.
  • Das Organigramm abzeichnen, statt die Tätigkeiten des Modells zu nutzen.
  • Tätigkeiten aufzählen, ohne zu fragen, aus welchen Kosten und Differenzierung kommen.
  • Die klassischen Tätigkeiten unverändert auf ein Dienstleistungsunternehmen übertragen.
  • Best Practices anderer für einen eigenen Vorteil halten.
Manuel Riveiro Rodriguez CEO & Digital Strategist

Eine technische Prüfung sieht sich das und alles Weitere in einem Durchgang an.

Audit anfragen

Häufige Fragen

Was ist die Wertschöpfungskette?

Im Sinn von Michael Porter ist es ein Modell, das ein Unternehmen in die Tätigkeiten teilt, mit denen es Wert für seine Kunden schafft: fünf primäre und vier unterstützende. Es zeigt, aus welchen Tätigkeiten Kosten, Differenzierung und Marge kommen. Im Deutschen meint das Wort auch die Kette über Unternehmen hinweg, vom Rohstoff bis zum Konsum.

Welche Tätigkeiten hat die Wertschöpfungskette?

Die primären sind Eingangslogistik, Produktion, Ausgangslogistik, Marketing und Vertrieb sowie Kundendienst. Die unterstützenden sind Unternehmensinfrastruktur, Personalwirtschaft, Technologieentwicklung und Beschaffung. Es sind Analysekategorien. Sie müssen nicht mit den Abteilungen deines Unternehmens übereinstimmen, und bei Dienstleistungs- oder Wissensunternehmen passt du sie an.

Was unterscheidet die Wertschöpfungskette von der Lieferkette?

Porters Wertschöpfungskette blickt in ein Unternehmen und enthält auch Tätigkeiten, die keine Ware bewegen, etwa Personalwirtschaft oder Technologieentwicklung. Die Lieferkette folgt dem Produkt zwischen Unternehmen, vom Rohstoff bis zum Kunden. Für die Kette über Firmen hinweg spricht Porter vom Wertsystem, Gabler vom Wertschöpfungssystem, zu dem die Kette jedes Unternehmens gehört.

Wer hat die Wertschöpfungskette entwickelt?

Michael E. Porter, Professor an der Harvard Business School. Er hat sie im Buch „Competitive Advantage: Creating and Sustaining Superior Performance“ vorgestellt, das 1985 bei Free Press in New York erschien. 1998 wurde das Buch mit einer neuen Einleitung neu aufgelegt. Sechs Jahre vorher, 1979, hatte Porter seinen Artikel über die fünf Wettbewerbskräfte veröffentlicht.

Was ist die Marge in der Wertschöpfungskette?

Die Differenz zwischen dem Wert eines Angebots und den Kosten aller Tätigkeiten, die es zu seiner Erstellung braucht. Der Wert ist das, was die Kunden dafür zu zahlen bereit sind. Dein Unternehmen erhöht die Marge, wenn es eine Tätigkeit günstiger ausführt als die Wettbewerber oder so, dass der Kunde mehr zahlt.

Quellen

  1. Harvard Business School, Eintrag zum Buch: Michael E. Porter, „The Competitive Advantage: Creating and Sustaining Superior Performance“, Free Press, New York, 1985, 1998 mit neuer Einleitung neu aufgelegt (englisch). Quelle für Jahr und Verlag des Buchs.
  2. Institute for Strategy & Competitiveness, Harvard Business School, „The Value Chain“, ohne Datum (englisch). Quelle für die Definition als Zerlegung des Unternehmens in strategisch relevante Tätigkeiten, für den Vorteil durch höhere Preise oder niedrigere Kosten, für das Wertsystem mit Lieferanten und Vertriebskanälen und dafür, dass Dinge gut zu machen etwas anderes ist, als sie anders zu machen.
  3. Detlef Hellenkamp, „Wertschöpfungskette“, Gabler Wirtschaftslexikon, ohne Datum. Quelle dafür, dass Gabler den Begriff für Porters Modell verwendet, für die fünf primären und vier unterstützenden Tätigkeiten, die Marge als Differenz von Wert und Kosten, die Verknüpfungen, das Wertschöpfungssystem, die fehlende Deckung mit dem Organigramm und die Anpassung bei Dienstleistungsunternehmen.
  4. Michael E. Porter, „How Competitive Forces Shape Strategy“, Harvard Business Review, März/April 1979 (englisch). Quelle für das Datum des Artikels über die fünf Kräfte.
  5. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, „Wertschöpfungsketten“, Lexikon der Entwicklungspolitik, ohne Datum. Quelle für die zweite Bedeutung: die Abfolge aller Herstellungs- und Vermarktungsstufen eines Produkts vom Rohstoff bis zum Konsum.