Was die Wertschöpfungskette bedeutet
„Wertschöpfungskette“ hat im Deutschen zwei Bedeutungen. Das Gabler Wirtschaftslexikon meint damit Porters Modell der Tätigkeiten in einem Unternehmen, englisch value chain, auch Wertkette genannt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) meint damit die Abfolge aller Stufen eines Produkts über Unternehmen hinweg, vom Rohstoff über Verarbeitung, Transport und Handel bis zum Konsum. Dieser Eintrag behandelt die erste Bedeutung.
Porter hat das Modell im Buch „Competitive Advantage: Creating and Sustaining Superior Performance“ vorgestellt, das 1985 bei Free Press in New York erschien. Laut seinem Institut an der Harvard Business School zerlegt die Wertschöpfungskette ein Unternehmen in die Tätigkeiten, die für seine Strategie zählen, um die Quellen seines Wettbewerbsvorteils zu finden: die Tätigkeiten, die höhere Preise oder niedrigere Kosten ermöglichen.
Ein Lesefehler ist, die beiden Bedeutungen gleichzusetzen und Porters Kette als Lieferkette zu lesen. Der Unterschied liegt im Gegenstand. Porters Kette blickt in ein Unternehmen und enthält Tätigkeiten, die keine Ware bewegen, etwa Personalarbeit oder Technologieentwicklung. Die Lieferkette und die Kette im Sinn des BMZ folgen dem Produkt von Firma zu Firma. Auch dafür hat Porter einen Begriff: Laut dem Harvard-Institut ist die Kette eines Unternehmens Teil eines größeren Wertsystems, mit Lieferanten davor und Vertriebskanälen danach. Gabler nennt es Wertschöpfungssystem.
Wer beides gleichsetzt, prüft Einkauf, Lager und Transport und hält das für die Analyse seiner Wertschöpfungskette. Ihm fehlen drei der vier unterstützenden Tätigkeiten, dazu Marketing und Vertrieb, Kundendienst und die Frage nach der Marge.
Die primären Tätigkeiten haben mit Erstellen, Verkaufen, Liefern und Betreuen des Angebots zu tun. Gabler fasst sie so zusammen: - Eingangslogistik: annehmen, lagern und bereitstellen, was in die Leistungserstellung eingeht. - Produktion: diese Inputs in Produkte oder Dienstleistungen umwandeln. - Ausgangslogistik: das Erstellte lagern, verteilen und ausliefern. - Marketing und Vertrieb: den Markt bearbeiten, Kunden gewinnen und verkaufen. - Kundendienst: was den Wert des Angebots beim und nach dem Verkauf sichert.
Die vier unterstützenden Tätigkeiten tragen die primären: - Unternehmensinfrastruktur: Führung, Planung, Finanzen, Controlling und andere übergreifende Funktionen. - Personalwirtschaft: Personal gewinnen, entwickeln und führen. - Technologieentwicklung: Technologien, Verfahren und Wissen. - Beschaffung: der Einkauf dessen, was alle Tätigkeiten brauchen.
Die Marge schließt das Modell. Laut Gabler ist der Wert eines Angebots das, was die Abnehmer dafür zu zahlen bereit sind, und die Marge ist die Differenz zwischen diesem Wert und den Kosten aller Tätigkeiten.
Porters Kette blickt in ein Unternehmen