Was ein Linkprofil konkret ausmacht
Das Linkprofil einer Domain ist die vollständige Aufnahme aller Backlinks, die sie erhält, nicht ein einzelner Backlink. Diese Aufnahme hat mehrere Ebenen, und keine erklärt das Gesamtbild allein: die Herkunft der Links, die Verteilung ihres Ankertexts, das Verhältnis zwischen Dofollow- und Nofollow-Links, und die Art, wie dieses Gesamtbild über die Zeit gewachsen ist.
Die Herkunft wird auf drei Ebenen bewertet. Erstens die Themenrelevanz der verlinkenden Seiten: Ein Profil mit Links überwiegend von Seiten aus derselben Branche wiegt mehr als eines voller generischer Verzeichnisse ohne inhaltlichen Bezug. Zweitens die geografische Streuung: Ein Unternehmen, das in Deutschland tätig ist, aber den Großteil seiner Links von Domains ohne jede Marktverbindung erhält, zeigt ein Muster, das bei jeder Prüfung auffällt. Drittens, und am häufigsten von Analyse-Tools zitiert, die Anzahl unterschiedlicher verweisender Domains im Verhältnis zur Gesamtzahl der Links. Hundert Links von zehn unterschiedlichen Domains wiegen meist mehr als hundert Links von einer einzigen Domain, die denselben Link auf mehreren Seiten wiederholt, weil die Vielfalt der Quellen selbst ein Signal für echtes Interesse ist, nicht für eine einzelne Absprache.
Die Ankertext-Verteilung ist die zweite Ebene. Ein natürliches Linkprofil mischt verschiedene Anker-Typen: den Markennamen, die nackte URL, generische Phrasen wie "hier klicken" oder "mehr erfahren" und, in geringerem Umfang, exakte Treffer des Ziel-Keywords. Wenn dieser letzte Typ einen zu großen Anteil des Gesamtbilds einnimmt, ist das ein Warnsignal, das Google als Manipulation interpretiert und nicht als spontanes redaktionelles Interesse. Diesem Glossar liegt ein eigener Artikel zu den Typen von Anchor Text und dazu vor, welcher Exact-Match-Anteil noch als natürlich gilt, die Mechanik wird hier nicht wiederholt.
Die dritte Ebene ist das Verhältnis zwischen Dofollow- und Nofollow-Links. Eine Domain mit einem Profil, das fast nur aus Dofollow-Links besteht, wirkt auf Google unnatürlich: In der echten Web-Praxis mischen Referenzprofile Kommentare, Forenerwähnungen, gesponserte Links und redaktionellen Content, und jeder dieser Kontexte trägt meist ein anderes Attribut. Ein gesundes Profil zielt nicht darauf ab, den Dofollow-Anteil zu maximieren, sondern darauf, dass die Mischung der einer Domain ähnelt, die Links organisch in unterschiedlichen Kontexten gewonnen hat.
Die vierte Ebene ist der zeitliche Verlauf. Ein natürliches Linkprofil wächst graduell, in einem Tempo, das meist mit der Veröffentlichung neuer Inhalte oder punktuellen Presseerwähnungen zusammenfällt. Ein plötzlicher Sprung in der Zahl neuer Links innerhalb weniger Wochen, vor allem wenn er mit einer gekauften Linkkampagne oder einer einmaligen Promotion zusammenfällt, bricht dieses graduelle Muster und gehört zu den ersten Punkten, die jede Linkprofil-Prüfung untersucht.
